18.11.2018 - 08:00

Wort des Bischofs Austausch auf Augenhöhe

Das Erzbistum Köln hält Wort und richtet einen Beirat für Betroffene von sexualisierter Gewalt ein. Erzbischof Woelki erläutert, warum und wie künftig den Betroffenen auf Augenhöhe begegnet werden soll. Weitere Maßnahmen sollen folgen.

Als ich die letzten Male an dieser Stelle über die Missbrauchsfälle in unserer Kirche gesprochen habe, stand am Ende ein Versprechen: Veränderung, Aufarbeitung und intensives Nachdenken über das Geschehene. Dabei  hatte und habe ich ein Ziel: Alle Veränderung,  Aufarbeitung und alles  Nachdenken, soll und muss  zu einer neuen Haltung führen!

Ein erster Schritt ist nun getan. Wie angekündigt richten wir im Erzbistum Köln einen Betroffenenbeirat für sexuelle Gewalt ein. In diesem Kreis wollen wir mit den Betroffenen sprechen statt über sie. Wir wollen ihnen eine feste Stimme geben. Das bedeutet Austausch auf Augenhöhe und mit Regelmäßigkeit.

Vorrangiges Ziel der Gespräche ist es, den Betroffenen zuzuhören und ihnen ein Forum zu bieten. Darüber hinaus muss es darum gehen, die Perspektive der Betroffenen in die wichtige Arbeit unserer Präventions- und Interventionsstellen einfließen zu lassen. Nur so können wir uns in diesen Bereichen immer weiter verbessern.

Bereits in der Vergangenheit habe ich in vertraulichen Gesprächen Betroffenen zugehört und werde das auch in Zukunft tun. In diesen Gesprächen haben die Betroffenen ein Anliegen immer wieder geäußert, das ich voll und ganz mittrage: Das Thema Missbrauch muss  auf der Tagesordnung bleiben, innerhalb der Kirche und in der Gesellschaft. Diese Forderung unterstütze ich. Denn für mich gilt: Null Toleranz für solche Vorfälle. Die Einrichtung des Betroffenenbeirates ist ein wichtiger Beitrag  hierzu. Aber dabei bleibt es nicht. Weitere Maßnahmen zur Aufklärung werden - wie angekündigt - folgen.  

Aufklärung geschieht in dem Bewusstsein unserer Verantwortung für die Geschehnisse in der Vergangenheit. Sie ist die Basis für ein neues Vertrauen und Miteinander mit den Menschen, die jetzt wieder in Austausch mit uns treten und unserer Kirche eine zweite Chance geben. Ich bin mir bewusst, dass den Betroffenen ein solcher Schritt schwer fällt und sie viel Überwindung kostet. Umso dankbarer bin ich für Ihr Mitwirken am Aufklärungsprozess, zu dem es keine Alternative gibt.

Ihr

Rainer Woelki

Erzbischof von Köln

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