24.01.2016 - 08:00

Wort des Bischofs Gott täglich Danke sagen?

Hand aufs Herz: Viele gute Vorsätze für das neue Jahr sind bei den meisten Menschen schon wieder Schnee von gestern. Die Routine hat wieder Einzug gehalten in den Alltag. Kardinal Woelki gibt in seinem Bischofswort eine Empfehlung ab.

Unser neues Jahr ist jetzt fast schon wieder einen ganzen Monat alt. So vieles ist gar nicht neu: Ganz egal ob Schul- oder Arbeitswege, alle geht schon wieder in den gewohnt geordneten Bahnen. Auch die mutigen Vorsätze, mit denen der ein oder andere vielleicht in das neue Jahr gestartet ist, wurden vielleicht schon wieder über den Haufen geworfen …

Ja, wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Wir lassen uns auch nur ungerne aus der Bahn werfen. Wir haben unserer lieb gewordenen Gewohnheiten – unsere regelmäßigen Rituale. Wir könnten ohne Probleme wenigstens mal die Straßenseite oder das Verkehrsmittel wechseln, aber wir bleiben uns in der Regel treu. Man kauft im gewohnten Laden ein, man grüßt immer dieselben Leute und landet in schöner Regelmäßigkeit am Abend in der altvertrauten Stammkneipe oder auf dem Stammplatz auf dem Sofa vor dem Fernseher.

Selbst wenn Sie Ihre Vorsätze für 2016, also zum Beispiel mehr Sport, den pünktlichen Feierabend und mehr Zeit für die Kinder oder die gesündere Ernährung schon längst wieder aufgegeben haben, so möchte ich Sie heute doch zu einem vielleicht für Sie auch neuem Ritual ermutigen. Bauen Sie in ihren täglichen Lebenslauf an irgendeiner Stelle einfach mal ein kleines Dankgebet ein. Am frühen Morgen, wenn Sie noch ganz verschlafen in den Spiegel schauen, in der Schlange vor dem Supermarkt oder vor der roten Ampel. Spätestens aber bevor Sie am Abend todmüde ins Bett fallen: Ein kleines Dankeschön für diesen Tag an unseren Schöpfer. Sie meinen, da gibt es nicht viel zu danken? Gut, auch wenn ich Ihr Leben nicht genau kenne, so bin ich mir ganz sicher, dass es auch in Ihrem täglichen Leben einen vielleicht noch so klitzekleinen Grund gibt, wofür auch Sie dankbar sind. Und wenn Sie diesen Dank dann in schöner Regelmäßigkeit zum Himmel schicken, werden Sie schnell merken, wie gut Ihnen dieses kleine Dankeschön täglich tut. Es gibt so wunderbare schöne Gewohnheiten, die unser Leben auch in den gewohnten Bahnen lebens- und liebenswert machen – GOTT SEI DANK!

Ihr Rainer Woelki
Erzbischof von Köln