31.03.2011 - 13:28

Rodney King Marla Glen

Geschichten der Marke "Das kann doch nicht wahr sein": Anfang der 90er Jahre. Ein Afro-Amerikaner rast mit seinem Auto der kalifornischen Polizei davon. Er ist gerade auf Bewährung draußen, hatte ein Raub begangen, und sitzt nun leicht alkoholisiert am Steuer. Weil er Angst hat, deswegen ins Gefängnis zu kommen, drückt er halt einfach mal auf die Tube. Am Ende kriegt ihn die Polizei aber doch, und bei den Polizisten handelt es sich um Nicht-Farbige. Wie ein Amateurvideo später zeigen wird, prügeln die Polizisten auf den Straftäter wahllos, obwohl sie ihn schon längst unter Kontrolle haben.

Das Video führt zu einem Prozess. Und dort sitzen 12 ebenfalls nicht farbige Geschworene. Das Urteil ist vorhersehbar: Die Polizisten werden freigesprochen. Ein Riesenskandal in Los Angeles, es kommt zu Aufruhr und Protest, Menschen sterben, und die Geschichte von Rodney King geht um die Welt. Für die Musikerin Marla Glen steht sie stellvertretend dafür, sich um Gerechtigkeit in der Welt zu bemühen und Diskriminierung den Kampf anzusagen.

Sie selbst erlebte vor ein paar Jahren etwas ganz Ähnliches: In der Schweiz wollte man sie verhaften, weil sie als Frau auf einer Männertoilette gesichtet wurde, und das ohne der Toilettenfrau das die verlangte Gebühr zu bezahlen. Vor der Polizei musste sie sich schließlich ausziehen, um zu beweisen, welches Geschlecht sie wirklich hat. Entwürdigende Situationen, die Marla immer mal wieder zu durchstehen hat, auch weil sie sich selbst wie ein Mann kleidet und eine ungewöhnlich tiefe Stimme hat. Gegen Vorurteile und für Gerechtigkeit: "Rodney King", ein Song vom neuen Marla Glen-Album "Humanology".

Autor: Daniel Hauser