29.01.2010 - 10:42

Sonntag Septuagesimae - BWV 84 Bachkantate am 31. Januar 2010

Heute am Sonntag Septuagesimae - Sie merken, wir bewegen uns bereits auf die Fastenzeit zu - war zu Bachs Zeiten im Gottesdienst das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg zu hören. Jeder von ihnen fängt zu einer anderen Zeit im Weinberg an zu arbeiten, aber jeder bekommt wie vereinbart, denselben Lohn. In der Kantate für den heutigen Sonntag nimmt der Textdichter deutlichen Bezug auf diesen Text. Und: Der Dichter deutet den Kern des Gleichnisses ganz rational nach dem Motto: "Ich begnüge mich mit dem, was mir Gott zuteilt, und lasse es ohne Neid geschehen, dass andere mehr erhalten als ich". So lautet auch die Überschrift der heutigen Kantate: "Ich bin vergnügt mit meinem Glücke".

Die Eingangsarie erinnert fast an ein Oboenkonzert, so sehr rückt die Oboe mit ihren Verzierungen in den Vordergrund. Der Rhythmus ist klar und ganz gleichmäßig: Bach möchte hier den Gleichmut des Menschen, der mit seinem von Gott verfügten Schicksal zufrieden ist, hörbar machen. Umso schlichter ist der zweite Satz, das Rezitativ, dem jede Auszierung fehlt. Die folgende Arie „ich esse mit Freuden mein weniges Brot" illustriert in ihrer liedhaften, lebendigen Melodie nicht nur die „Freuden", von denen gleich zu Beginn des Textes die Rede ist. Vielmehr noch liegt der musikalische Akzent auf dem Mittelteil, indem es heißt: „Ein fröhlicher Geist, ein dankbares Herz, das lobet und preiset". Besonders reizvoll ist die Führung der Oboe und der Solovioline, die zu Anfang miteinander gehen, sich dann voneinander trennen, sich später wieder zusammenfinden und so ein ständiges Wechselspiel zwischen Ein- und Zweistimmigkeit vollführen. Das folgende Rezitativ erhält durch die Streicherinstrumentierung einen besonderen Akzent. Doch wird auch hier auf jeden ariosen Einschub verzichtet. Ein schlichtes Rezitativ, nur eben ohne die typische Continuobegleitung, stattdessen mit Streichern begleitet. Der  Schlusschoral ist die 12. Strophe des Liedes „Wer weiß, wie nahe mir mein Ende. Emilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstadt hat das Lied 1686 getextet, Bach vertont es hier auf die bekannte Melodie von „Wer nur den lieben Gott lässt walten". Bach hat die Kantate wahrscheinlich zum 9. Februar 1727 komponiert. Von wem der Text stammt, ist nicht bekannt. Allerdings ist eine Dichtung Picanders bekannt, die in ihren Gedankengängen, teilweise sogar in ihren Worten mit dem Text der Kantate so sehr übereinstimmt, dass zwischen beiden ein Vorlagenverhältnis angenommen werden muss. Vielleicht stammen sogar beide Texte von Picander, aber das ist letztlich nicht zu belegen. BWV 84: Ich bin vergnügt mit meinem Glücke". Tölzer Knabenchor und Concentus musicus Wien. Leitung: Nikolaus Harnoncourt. Quelle: Alfred Dürr: Die Kantaten Johann Sebastian Bachs. Bärenreiter, 1995