02.10.2009 - 16:52

BWV 98 - Drittletzter Sonntag Bachkantate am 8. November 2009

"Was Gott tut, das ist wohlgetan": Bis heute zählt dieses Kirchenlied zu den beliebtesten Liedern im Gottesdienst. Im katholischen Gebet- und Gesangbuch Gotteslob ist es unter der Nummer 294 zu finden. Bereits zur Zeit Johann Sebastian Bachs gehörte dieses Lied, das 1675 von Samuel Rodigast getextet wurde, zum Liedgut der Gemeinde. Und mit der ersten Strophe dieses Liedes lässt Bach seine Kantate, die er für den heutigen Sonntag komponiert hat, beginnen.

Inhaltlich knüpft die Kantate an das Sonntagsevangelium an, indem von einem königlichen Beamten berichtet wird, der um die Heilung seines Sohnes bittet und dessen Bitte durch Jesus erfüllt wird. Der Glaubende darf also darauf vertrauen, so die Aussage der Kantate, dass seine Bitte um Errettung Gehör finden wird, wie es das Wort der Bergpredigt "klopfet an, so wird euch aufgetan", das im 4. Satz zitiert wird, zum Ausdruck bringt. Und diese zugesagte Errettung ist der Grund, dass, so sagt es Satz 5, die zweite Arie der Kantate,  mit einer Anspielung auf das Buch Genesis, dass der Glaubende voll und ganz auf Jesu Schutz vertrauen kann: "Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn". Auffällig bei dieser Kantate: Bach lässt sie nicht - wie sonst meist üblich - mit einem vierstimmigen Schlusschoral enden, sondern mit dieser zweiten Arie. Um jedoch den abschließenden Charakter zu bekräftigen, lässt Bach, gleichsam als Ersatz für den fehlenden Schlusschoral, ihre Anfangszeile "Meinen Jesum lass ich nicht" auf die leicht variierte Melodie des gleichnamigen Liedes singen, das Christian Keymann 1658 komponiert hat.  Bach hat das Werk zum 10. November 1726 komponiert. Ganz besonders reizvoll ist der Eingangssatz. Und dieser Reiz liegt darin begründet, dass Bach das Schwanken zwischen Zweifel und Gottvertrauen auf einzigartige Weise musikalisch abbildet.  Dieser beinahe dramatische Charakter wird noch dadurch verstärkt, dass Streicher und Chor zunächst nacheinander hervortreten und sich erst am Ende des Satzes miteinander vereinen. BWV 98: "Was Gott tut, das ist wohlgetan". Knabenchor Hannover, Collegium Vocale Gent, Leonhardt-Consort,Leitung: Gustav Leonhardt. Quelle/ Literatur: Alfred Dürr: Die Kantaten Johann Sebastian Bachs. Bärenreiter, 1995