27.06.2008 - 16:24

BWV 9 6. Sonntag nach Trinitatis Bachkantate am 29.06.2008

"Es ist das Heil uns kommen her": Das ist der Titel der Kantate, die Johann Sebastian Bach für den heutigen 6. Sonntag nach Trinitatis komponiert hat. Und der Titel verrät es schon: Auch bei diesem Werk handelt es sich um eine Choralkantate, das zu damaligen Zeiten sehr bekannte Kirchenlied "Es ist das Heil uns kommen her" bildet die Grundlage.

Getextet von Paul Speratus im Jahr 1523 handelt das Lied von der Rechtfertigung des Menschen vor Gott.  Der Glaube allein sei ausreichend, gute Werke nicht erforderlich so der Textdichter. Komponiert hatte Bach die Kantate für das Jahr 1724, doch Uraufführung war erst 1731. Der Grund: Am 6. Sonntag nach Trinitatis des Jahres 1724 weilte Bach mit seiner Frau in Köthen und deswegen fiel an diesem Sonntag wohl die Kantate in Leipzig aus. Selbst ein Johann Sebastian Bach brauchte wohl ab und an mal etwas Urlaub. Der Eingangschor ist nach dem von Bach bevorzugten Muster angelegt: Die Choralmelodie wird zeilenweise vom Sopran vorgetragen und ist eingebettet in einen Instrumentalsatz. Der klangliche Reiz beruht auf der Besetzung mit je einer Querflöte und Oboe d´ amore, die dem Streicherensemble konzertierend gegenüber tritt. Die drei Rezitative der Kantate wirken fast wie eine Predigt. Bach hat diesen betrachtenden Predigtcharakter der Rezitative dadurch betont, dass er alle drei Sätze derselben Stimmlage zuweist, nämlich dem Bass. So hat man wirklich den Eindruck einer kontinuierlichen Predigt, die an zwei Stellen durch eine meditative Arie unterbrochen wird.  Alle drei Rezitativsätze sind ganz einfach gestaltet, lediglich der Schluss des Satzes 4 geht am Ende in ein Arioso über. Die Arie "Wir waren schon zu tief gesunken" ist ein Beispiel plastischer Textinterpretation: Die Violinstimmen führen abwärts, der Rhythmus gerät durcheinander: Bach macht das taumelnde Versinken im Abgrund der Sünde, von dem der Text spricht, musikalisch hörbar. Ganz anders ist die zweite Arie gestaltet, der fünfte Satz. Singstimmen im Duett, Querflöte, Oboe d´amore und Continuo verleihen dem Satz seinen klanglichen Reiz. Nicht mehr die Sünde steht im Mittelpunkt, sondern der Glaube. Die Kantate endet - wie so oft - mit einem einfachen vierstimmigen Choralsatz, der letzten Strophe des Kirchenliedes "Es ist das Heil uns kommen her". Quelle/ Literatur: Alfred Dürr: Die Kantaten Johann Sebastian Bachs. Bärenreiter, 1995