06.05.2011 - 12:54

BWV 146 Bachkantate am 3. Sonntag nach Ostern

Die Kantate, die Johann Sebastian Bach für den heutigen Sonntag "Jubilate" komponiert hat, ist ganz von dem im Sonntagsevangelium vorgezeichneten Gegensatz "Traurigkeit - Freude" geprägt. Gleichsam als Motto der ganzen Kantate ist das Bibelwort aus der Apostelgeschichte "Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen" der Kantate vorangestellt. Im Anschluss daran beklagt der Textdichter die Leiden, die der von der Welt bedrängte Christ im irdischen Leben aushalten muss. Die letzten drei Sätze sind dann voll freudiger Hoffnung auf ein künftiges Leben im Reich Gottes gerichtet.

Das Entstehungsjahr der Kantate ist unbekannt; doch soviel steht fest: Bach hat die Kantate zu seiner Leipziger Zeit geschrieben. Möglicherweise war die Uraufführung der 12. Mai 1726.

Als 1. Satz der Kantate verwendet Bach den 1. Satz eines von ihm bereits früher komponierten Violinkonzertes. Auch der 2. Satz der Kantate entstammt diesem Konzert. Bach hat lediglich etwas umgearbeitet: Der ursprüngliche Solopart der Violine wird der Orgel übertragen, der Chorsatz wird in die bestehende Komposition hineinkomponiert. Man muss dabei bedenken, dass Bach damals vermutlich nur rund 12 Sänger zur Verfügung hatte, so dass der Orgelsatz noch gut zu hören war und nicht vom Chor überdeckt wurde.  

Die folgende Alt-Arie wendet sich mit mystischer Begeisterung von der Welt ab und "dem Himmel zu", das Rezitativ bricht in bewegte Klagen über die Verfolgung der "bösen Welt" aus. Gehaltene Streicherakkorde begleiten die Deklamation der Singstimme.

Der musikalische Höhepunkt der Kantate ist die Sopran -Arie "ich säe meine Zähren". "Zähre": Das alte deutsche Wort für "Träne". Zu zwei Oboen und der Querflöte setzt Bach einen zweiteiligen Vokalpart, dessen erster Teil höchst ausdrucksvoll das "Säen der Tränen" malt, während der zweite mit jubelnden Klängen den "Tag der seligen Ernte" feiert.

Ein Rezitativ führt zu einem Duett von fröhlicher Bewegtheit, möglicherweise der Parodie einer weltlichen Komposition. Tenor und Bass bewegen sich in Terzen und Sextenparallelen, die Instrumente umrahmen den Hauptteil mit einem vollstimmigen, tänzerischen Satz. All das macht die Freude musikalisch hörbar.

Mit einem einfachen Choralsatz auf die Melodie "Werde munter, mein Gemüte" lässt Bach seine Kantate enden.

"Wir müssen durch viel Trübsal": Das ist die Überschrift der heutigen Kantate und gleichzeitig das inhaltliche Fazit: Aus der bevorstehenden Oster- und Pfingstfreude der Jünger wird nun die Freude des gegenwärtigen Christen auf die Vereinigung mit Gott und damit die Sehnsucht nach dem Tod, die die ganze Kantate durchzieht.

BWV 146: Tölzer Knabenchor, Concentus musicus Wien,
Leitung: Nikolaus Harnoncourt.

Quelle: Alfred Dürr: Die Kantaten von Johann Sebastian Bach. Bärenreiter 1995.