12.11.2011 - 09:08

BWV 139 Vorletzter Sonntag

Der Kantate, die Johann Sebastian Bach für den heutigen Sonntag komponiert hat, liegt als Text das gleichnamige fünfstrophige Lied "Wohl dem, der sich auf seinen Gott" zugrunde, das Johann Christoph Rube 1692 komponiert hat. Anfangs- und Schlussstrophe werden wörtlich beibehalten, die drei Binnenstrophen so umgedichtet, dass je eine Liedstrophe in die Sätze 2,4 und 5 eingegangen ist. Der 3. Satz ist freier Einschub und stellt die Verbindung zum Sonntagsevangelium her. Dies geschieht - fast wie ein Exkurs - an derjenigen Stelle, an der die Lieddichtung dem biblischen Bericht inhaltlich am nächsten kommt. Und in dem geht es am heutigen Sonntag um die Fangfrage der Pharisäer an Jesus: Ist es recht, dem Kaiser Steuern zu zahlen?

Der Eingangssatz ist für Bach typisch gestaltet: Der Choral, vom Chor gesungen, ist zeilenweise in den konzertanten Orchestersatz eingefügt; die Liedweise liegt im Sopran. Die Aussage des ersten Satz: Wer auf Gott vertraut, ist in allen Situationen geschützt.

Die darauffolgende Arie ist ganz von dem Gegensatz zwischen dem "Toben des Feindes" und der "gelassenen Ruhe des Christen", der sich der Freundschaft Gottes sicher ist, bestimmt. Das Toben wird durch lebhafte Violinfiguren hörbar gemacht.

Nur acht Takte lang ist das folgende Rezitativ, in dem der Dichter nun den biblischen Bericht als Beispiel für die Bosheit der Welt anführt, denn auch in der Arglist der Pharisäer offenbart sich die Bosheit der Welt, in  die der Heiland die Seinen wie unter Wölfe sendet, wie es im Text heißt. Doch auch in der Welt schützt Jesus die Seinen, "da sein Mund so weisen Ausspruch tut" - gemeint ist hier die Antwort an die Pharisäer auf die Frage nach den Steuern: "Gebet dem Kaiser,  was  des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!" Mit diesem Ausspruch ist der listige Angriff der Welt abgewehrt.  

Es folgt die zweite Arie und das zweite Rezitativ der Kantate, das mit Streichern instrumentiert ist. Der größte Feind des Menschen ist die schwere Last der Sünden, die im Menschen selbst liegt. Das ist die Kernaussage des zweiten Rezitativs. Die Worte "Ich gebe Gott, was Gottes ist" stellt noch einmal die Verbindung zum Evangelium her.

Mit einem einfachen Choralsatz lässt Bach seine Kantate enden, die zum ersten Mal am 12. November 1724 aufgeführt wurde.

BWV 139 "Wohl dem, der sich auf seinen Gott". Tölzer Knabenchor, Concentus musicus Wien, Leitung: Nikolaus Harnoncourt.

Quelle/ Literatur: Alfred Dürr: Die Kantaten Johann Sebastian Bachs. Bärenreiter, 1995