24.06.2011 - 10:59

BWV 129 2. Sonntag nach Trinitatis

"Gelobet sei der Herr, mein Gott": So hat Johann Sebastian Bach die Kantate überschrieben. Wann genau Bach dieses Werk komponiert hat ist nicht ganz klar: Vermutlich war es im Jahr 1726.

Bei der Kantate selbst handelt es sich um eine sogenannte Choralkantate. Das heißt: Bach nimmt ein bekanntes Kirchenlied - nämlich das 5 strophige Lied von Johann Olearius  - zur textlichen Grundlage. Im Mittelpunkt des Liedes steht der Lob der göttlichen Dreieinigkeit: Strophe 1 gilt dem Schöpfer Gott, Strophe 2 dem Sohn, Strophe 3 dem Heiligen Geist, und die Strophen 4 und 5 sind eine inhaltlich zusammengehörige Lobpreisung der Dreieinigkeit. Der Bezug zu den Schrifttexten des jeweiligen Sonntags, den Bach ja meist herstellt, fehlt bei dieser Kantate.

Mit einem Orchester von 3 Trompeten, Pauken, Flöte, 2 Oboen, Streichern und Continuo ist die Kantate ausgesprochen festlich ausgestattet und ihr Eingangschor entfaltet auch sogleich ein lebhaftes Konzertieren der Streicher und Holzbläser mit Einwürfen des Trompetenchors.

Ohne Unterbrechung durch Rezitative folgen nun drei Arien aufeinander. Die erste gibt als Continuosatz der Singstimme Gelegenheit zu höchst ausdrucksvoller Melodik. Es ist sicherlich kein Zufall, dass gerade diese Arie Gott dem Sohn gewidmet ist, seiner Menschwerdung und seinem Opfer für den Menschen.   

In der zweiten Arie bilden Querflöte und Solovioline mit Sopran und Continuo einen Quartettsatz von getragener Feierlichkeit, in der dritten Arie herrscht gelöste, liedhafte, fast tänzerische Fröhlichkeit. Und genauso prächtig, wie die Kantate begonnen hat, so endet sie auch. Mit Pauken und Trompeten.

Bach musizierte seine Kantaten Sonntag für Sonntag vor einer sehr großen Gemeinde von mehr als 2000 Zuhörern. Die Thomaskirche in Leipzig besaß zwischen 2000 und 2100 Sitzplätze, dazu noch eine nicht unerhebliche Zahl von Stehplätzen. Gemeindemitglieder konnten den Text der Kantate in dafür eigens veröffentlichten handlichen Textdrucken verfolgen. Insgesamt zwölf solcher Texthefte wurden pro Jahr benötigt. Diese wurden regelmäßig im Auftrag und wohl auch auf Kosten Bachs gedruckt. Er hat diese dann auch verkauft, der Erlös bescherte Bach wohl höchst willkommene Zusatzeinnahmen, die ihm unter anderem auch helfen konnten, fehlende Musiker - wenn diese nicht beurteilt waren, umsonst zu spielen - zu bezahlen.

BWV 129: "Gelobet sei der Herr, mein Gott".
Knabenchor Hannover, Collegium Vocale Gent, Leonhard-Consort,
Leitung: Gustav Leonhardt.

Quelle: Alfred Dürr: Die Kantaten von Johann Sebastian Bach. Bärenreiter 1995.