09.05.2009 - 15:30

BWV 108, Sonntag "Kantate" Bachkantate am 10. Mai

Zum ersten Mal hat Johann Sebastian Bach die Kantate für den heutigen Sonntag "Kantate" am 29. April 1725 aufgeführt. Überschrift: "Es ist euch gut, dass ich hingehe". Und die Überschrift macht es bereits deutlich: Die Komposition beginnt mit einem Zitat aus der Evangelienlesung des Sonntags.

In Anklang an den Evangelisten Johannes heißt es: „Es ist euch gut, dass ich hingehe; denn so ich nicht hingehe, kömmt der Tröster nicht zu euch. So ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden". Der inhaltliche Akzent der Kantate liegt also ganz auf diesem Versprechen Jesu, den Heiligen Geist zu senden und der daraus erwachsenden Heilsgewissheit. Bachs Vertonung dieses Bibelwortes ist eine Mischform zwischen Arioso und Arie. Die Oboe spannt weite Melodiebögen, die die Schönheit des Satzes ausmachen: Mit kräftigen, weit ausholenden Figuren der Solovioline drückt die folgende Arie die Zuversicht aus. Besonders auffällig vom Text geprägt ist der zweite Arienteil, in dem die Anfangsworte „ich glaube" durch einen Halteton und die Worte „gehst du fort" durch eine aufsteigende Tonleiter interpretiert werden. Ein kurzes Seccorezitativ leitet zu dem zweiten Bibelwortsatz der Kantate über, gesungen vom Chor. Der sehr umfangreiche Text, der - wie schon der Eingangssatz - ebenfalls dem Johannesevangelium entnommen ist,  wird in drei Abschnitte aufgeteilt und jeder dieser Abschnitte wird als Chorfuge komponiert. Die folgende Alt-Arie ist mit vollem Streichersatz instrumentiert. Trotzdem kommt auch hier der Solovioline eine Vormachtsstellung zu, so dass der gesamten Kantate ein gewisses virtuoses Element anhaftet.  Der Schlusschoral ist die 10. Strophe des Liedes „Gott Vater, sende deinen Geist", das Paul Gerhardt 1653 komponiert hat. Im Namen der versammelten Gemeinde wird hier noch einmal die Zuversicht auf Gottes rechte Leitung zum Ausdruck gebracht. BWV 108: „Es ist euch gut, dass ich hingehe".  Tölzer Knabenchor, Concentus musicus Wien, Leitung: Nikolaus Harnoncourt. Quelle: Alfred Dürr: Die Kantaten von Johann Sebastian Bach. Bärenreiter 1995.