08.02.2010 - 10:27

BWV 104: 3. So. d. Osterzeit Bachkantate am 18. April 2010

"Du Hirte Israel, höre": Das ist die Überschrift der Kantate, die Johann Sebastian Bach für den heutigen 3. Sonntag der Osterzeit komponiert hat. Und barocker als diese Kantate kann eine Kantate eigentlich nicht sein. Die Darstellung des ländlichen Lebens, speziell des Hirtenmilieus, ist das Thema der Barockzeit, welches sowohl in der Malerei, aber auch in Dichtung und Musik immer wieder gerne aufgegriffen wurde. Und so passt auch das Bild von Jesus, als dem guten Hirten perfekt in diese Zeit. Zur Zeit Bachs war diese Stelle aus dem Johannesevangelium die Textstelle, die in den Gottesdiensten zu hören war.

Die Kantate beginnt mit einem Zitat aus Psalm 80, in dem es heißt: "Du Hirte Israel, höre, der du Josef weidest wie eine Herde!". Dieser Eingangssatz vereint auf geniale Weise die Stimmung des Hirtenmilieus mit den Bitten des Psalmworts um Trost. Die ausgedehnte Einleitungssinfonie ist im Stil einer Pastorale komponiert: Triolen und breite Orgelpunkte sorgen für das ländliche Kolorit. Ein kurzes Rezitativ führt zur ersten Arie . Deutlich wird hier das Wort "allzu bange" harmonisch wie thematisch herausgehoben. Deutlich hier die Anspielung auf den Römerbrief: "Die Wüste macht mich bange" und so schreihe ich ein gläubig Abba". Ja, so sagt das folgende Rezitativ, dass ich zu Gott rufen darf, ist des Himmels Vorgeschmack. Und so bitte ich darum, dass mein irdischer Weg bald ein Ende finden und der gute Hirte mich in seinen Schafstall einführen möge. Die folgende Bassarie greift diesen Gedanken noch einmal auf: Wenn Jesus mein Hirte ist, so empfinde ich seine Güte schon hier, um wie viel beglückter werde ich dann aber später nach einem sanften Todesschlafe sein. Die Bewegung in Triolen sowie die Orgelpunkte stellen diese Arie in Beziehung zum Eingangssatz. Inhaltlich stehen diese beiden Sätze zueinander im Verhältnis von Bitte und Erfüllung, Altem und Neuem Testament: Nachdem Christus erschienen ist, haben wir die Gewissheit, dass Gott seine Herde nicht im Stich lassen wird. Den Schluss bildet ein einfacher Choralsatz auf die Melodie "Allein Gott in der Höh sei Ehr". Bach hat diese Kantate in seinem ersten Leipziger Amtsjahr komponiert, die Uraufführung war der 23. April 1724. BWV 104 "Du Hirte Israel, höre" Tölzer Knabenchor, Concentus musicus Wien, Leitung: Nikolaus Harnoncourt. Quelle/ Literatur: Alfred Dürr: Die Kantaten Johann Sebastian Bachs. Bärenreiter, 1995