02.08.2012 - 09:45

8. Sonntag nach Trinitatis BWV 136

"Hütet euch vor den falschen Propheten: Sie kommen zu euch wie harmlose Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe". Diese Stelle aus dem Matthäusevangelium war nach protestantischer Leseordnung zur Zeit Johann Sebastian Bachs in den Gottesdiensten zu hören. Und Bach lehnt sich mit seiner Kantate zum heutigen 8. Sonntag nach Trinitatis an dieses Evangelium an. Überschrift: "Erforsche mit, Gott, und erfahre mein Herz". Die Warnung vor falschen Propheten führt im Eingangssatz zur Bitte um den rechten Glauben mit den Worten des Psalms 139.

Der 2. Satz stellt nun eine Verbindung zum ersten Sündenfall her: Die Frage Jesu "Kann man auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln?" weckt die Erinnerung an das Buch Genesis. Da heißt es: Verflucht sei der Acker um deinetwillen... Dornen und Disteln soll er dir tragen".

Als schlichtes Rezitativ gestaltet führt dieser Satz zur ersten Arie der Kantate. Bach hat diesen Satz besonders ausdrucksvoll gestaltet. Dies in Entsprechung zum Text, indem es vor Heuchelei gewarnt wird. Der Anlass dafür sind die Worte des Evangeliums, in dem es heißt: "Er werden nicht alle , die zu mir sagen: Herr, Herr! In das Himmelreich kommen".

Ist im zweiten und dritten Satz von Adams Fall die Rede, tritt jetzt im vierten und fünften Satz Jesu Sühnetod in den Mittelpunkt. Auch musikalisch gesehen geschieht ab dem vierten Satz, dem Rezitativ der Bass-Stimme, etwas Neues. Ganz bewusst stellt Bach hier die beiden Teile gegenüber. Eingeleitet wird der 4. Satz durch eine Anspielung auf Hiob: Wer Jesu Opfer im Glaube annimmt, der ist gerechtfertigt, auch wenn die eigenen Werke einen Mangel aufweisen.

Ähnlich in der Aussage sind auch der fünfte Satz und der Schlusschoral. Dieser ist nach der Melodie "Auf meinen lieben Gott" gedichtet und durch die selbständige Führung der Violine zur Fünfstimmigkeit erweitert. Der Choral selbst ist die 9. Strophe des Liedes "Wo soll ich fliehen hin", das Johann Heermann 1630 gedichtet hat.

Uraufführung war der 18. Juli 1723. Möglicherweise hat Bach aber bei dieser Kantate auf früher komponiertes zurück gegriffen. Doch: Genaues lässt sich hier nicht mehr rekonstruieren.

BWV 136: "Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz". Tölzer Knabenchor, Concentus musicus Wien, Leitung: Nikolaus Harnoncourt.

Quelle/ Literatur: Alfred Dürr: Die Kantaten Johann Sebastian Bachs. Bärenreiter, 1995