10.07.2009 - 15:39

6. So. n. Trinitatis - BWV 158 Bachkantate am 19. Juli 2009

Über die Bach-Kantate "Der Friede sei mit dir" wissen wir relativ wenig. Weder wissen wir, wer den Text geschrieben hat, noch wann genau oder zu welchem Ereignis Johann Sebastian Bach diese Kantate komponiert hat. Die Bach-Forschung geht davon aus, dass die Kantate aus verschiedenen Einzelteilen zusammengesetzt wurde: Vermutlich bilden die Arie und das ihr folgende Rezitativ den ältesten Bestand. Der Text, der von Sehnsucht nach Tod und himmlischem Leben handelt, war vermutlich zum Fest Mariae Reinigung bestimmt, denn der 2. Satz nimmt ausdrücklich auf Simeon Bezug, dessen Wort "Herr, nun lassest du deinen Diener in Frieden fahren" zum Evangelium des Festtages Maria Reinigung bzw. - wie das Fest ja heute genannt wird - Fest der Darstellung des Herrn im Tempel gehört.

Vermutlich ist diese Arie bereits in Bachs Weimarer Zeit entstanden. Das dieser Arie folgende Rezitativ beginnt ganz einfach, geht dann aber in ein Arioso über, das textlich auf den 2. Satz zurückgreift.Vermutlich stammen also die Sätze 2 und 3 aus einer anderen Bach'schen Komposition. Den Rahmen der Kantate bilden die Sätze eins und vier, die einen sehr österlichen Charakter haben. So heißt es im 1. Satz, dem Rezitativ: "Der Fürst dieser Welt, der deiner Seele nachgestellt, ist durch des Lammes Blut bezwungen und gefällt".Den letzten Satz bildet die 5. Strophe des Lutherliedes "Christ lag in Todesbanden". Und gerade dieser Choral am Ende der Kantate ist ja für Bach typisch. Bach setzt damit einen deutlichen musikalischen Formakzent. Denn das Auftreten eines Choralsatzes identifiziert den liturgischen bzw. kirchlichen Charakter des Werkes. So haben weltliche und geistliche Kantaten Chor, Rezitativ und Arie gemeinsam, nicht aber den Choral. Hinzukommt, dass der Choraltext im Normalfall die Rolle einer abschließenden Gebetsformel annimmt. Die daraus folgende, nahezu standardmäßige Platzierung des Chorals als Schlusssatz der Kantate, gibt dem mehrteiligen Musikwerk die Gelegenheit zur Abrundung, indem alle Musiker und Sänger noch einmal gemeinsam zum Ausklang vereinigt werden. Außerdem bot der Choral zu damaligen Zeiten den weniger gebildeten Gottesdienstbesuchern, die die Kantantentexte nicht mitlesen konnten und für die gehobene Sprache der übrigen Sätze wenig Verständnis aufbrachten, die Gelegenheit, sich an vertrauten Texten und Melodien zu orientieren, um wenigstens diesen Teil der Kantate inhaltlich aufnehmen zu können.BWV 158: "Der Friede sei mit dir"Tölzer Knabenchor, Collegium Vocale GentLeitung: Gustav LeonhardtQuelle: Alfred Dürr: Die Kantaten von Johann Sebastian Bach. Bärenreiter 1995