17.10.2008 - 14:01

23. Sonntag nach Trinitatis - BWV 52 Bachkantate am 26. Oktober 2008

Die Pharisäer wollen Jesus eine Falle stellen. So fragen Sie ihn, ob es erlaubt sei, dem Kaiser Steuern zu zahlen, oder nicht? Jesus erkennt natürlich, dass diese Frage eine Falle ist und so antwortet er: "Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser ist und Gott, was Gott gehört". Diese Stelle aus dem Matthäusevangelium war zur Zeit Johann Sebastian Bachs am heutigen 23. Sonntag nach Trinitatis in den Gottesdiensten zu hören. Der Dichter der Kantate des heutigen Sonntags lehnt sich sehr eng an das Evangelium an: Der Zorn über diese List der Pharisäer ist nicht zu überhören. Ganz Kind seiner Zeit folgert der Dichter, dass dem Christen keine andere Wahl bleiben, als sich von der Welt mit ihrer Falschheit abzuwenden und den Sinn auf Gott zu richten.

Als Einleitungssinfonie verwendet Bach einen Instrumentalsatz seiner vorleipziger Zeit: Und zwar den Eingangssatz des 1. Brandenburgischen Konzertes. Es folgt ein Rezitativ und dann die erste Arie, instrumentiert mit 2 Violinen und Continuo. "Immerhin, immerhin, wenn ich gleich verstoßen bin!", so beginnt die Arie. Durch die Motivik der Instrumente und besonders durch das kurz hingeworfene "immerhin" des Soprans macht Bach die "wegwerfende" Verachtung des Christen für die Welt, an dem ihm nichts gelegen ist, hörbar: Die beiden folgenden Kantatensätze handeln von der Treue Gottes. Ein kurzes Rezitativ, der vierte Satz, entwickelt sich durch die mehrfache Wiederholung der Worte "Gott ist getreu" bis an die Grenze des Arioso. Die zweite Arie der Kantate instrumentiert Bach mit drei Oboen und Continuo. Dazu kommt der Dreiertakt: Und so wirkt der ganze Satz gelöst und tänzerisch. Dieser Tanzcharakter aber spiegelt nicht, wie sonst häufig, die Welt wider, sondern die Freude dessen, der sich in Gott geborgen weiß: Mit einem einfachen vierstimmigen Choral, der 1. Strophe des Liedes "In dich hab ich gehoffet, Herr", das Adam Reusner 1533 komponiert hat, endet die Kantate. Wie im Eingangssatz kommen auch hier wieder die Hörner zum Einsatz: Das erste Horn mit der Choralmelodie, das zweite Horn mit einer selbständigen Stimme. Bachs Komposition ist zum 24. November 1726 entstanden. Mit Ausnahme des vierstimmigen Schlusschorals ist der Gesangspart ganz dem Solosopran zugewiesen. Umso reichhaltiger hat Bach die Kantate von den Instrumenten her ausgestaltet: 2 Hörner, 3 Oboen, Streicher und Continuo. BWV 52: "Falsche Welt, dir trau ich nicht". Knabenchor Hannover, Leonhardt Consort,  Leitung: Gustav Leonhardt. Quelle/ Literatur: Alfred Dürr: Die Kantaten Johann Sebastian Bachs. Bärenreiter, 1995