19.09.2008 - 11:55

18. Sonntag nach Trinitatis - BWV 96 Bachkantate am 21. September 2008

"Herr Christ, der einge Gottessohn": So ist die Kantate überschrieben, die Bach zum heutigen 18. Sonntag nach Trinitatis komponiert hat. Und diese Kantate gehört zu den sogenannten Choralkantaten, d.h. Bach verwendet einen Kirchenchoral als Grundlage. Im konkreten Fall ist es das 5 strophige Lied von Elisabeth Creutziger, das sie 1524 getextet hat und in dem Christus gepriesen wird als der wahre Morgenstern. Daher auch die Bitte an Christus um Liebe und Erkenntnis, damit der alte Mensch sterbe und der neue Mensch, der nur nach Gott trachtet, lebendig werde.

Heutzutage hat dieses Kirchenlied seinen Platz in Verbindung mit der „Erscheinung des Herrn", also rund um den Dreikönigstag. Und dennoch ist es eigentlich seit alters her eng mit dem heutigen 18. Sonntag nach Trinitatis verbunden. Der Grund: Der Text verweist auf den zweiten Teil des Sonntagsevangeliums, in der Jesus die Pharisäer nach Christus, dem Messias, fragt und sie durch den Hinweis, dass diese zugleich Davids Sohn und Davids Herr genannt werde, in Verlegenheit bringt. Die Antwort des gläubigen Christen, wie sie wohl auch in den Predigten der Bachzeit gegeben worden ist, gibt der Beginn des Liedes: Christus, aus Davids Stamm, ist zugleich „der einge Gottesssohn", den „David schon im Geist als seinen Herrn verehrte". Ein Rezitativ führt zur Arie „Ach ziehe die Seele mit Seilen der Liebe", ein Bild, das der Textdichter dem Propheten Hosea entleiht. Spätestens bei dieser Arie wird es unüberhörbar: Bach hatte zur damaligen Zeit einen besonders fähigen Querflötenspieler, dem auch in dieser Arie wieder so einiges abverlangt wird. Auch das zweite Rezitativ, der vierte Satz, ist ganz einfach gehalten. Ihm folgt eine zweite Arie, mit vollstimmigem Oboen- und Streichersatz, der das Schwanken des verirrten Schrittes nach rechts und links bildlich darstellt. Im Mittelteil auf die Worte „Gehe doch, mein Heiland mit" ändern sich diese Motive: Die wankenden Figuren weichen akkordlichen, einfachen Schrittmotiven. Mit einem einfachen Schlusschoral lässt Bach diese Kantate enden. Uraufführung war der 8. Oktober 1724. Erwähnenswert: Neben dem üblichen Instrumentarium - 2 Oboen, Streichern und Continuo - lässt Bach bei dieser Kantate noch eine „Flauto piccolo", eine Diskantblockflöte zum Einsatz kommen, die das glänzende Flimmern des Morgensterns abbilden soll. BWV 96: „Herr Christ, der einge Gottessohn". Tölzer Knabenchor, Concentus musicus Wien, Leitung: Nikolaus Harnoncourt. Quelle/ Literatur: Alfred Dürr: Die Kantaten Johann Sebastian Bachs. Bärenreiter, 1995