28.09.2012 - 16:04

17. So. n. Trinitatis BWV 47

Im Jahr 1720 veröffentlichte der Regierungssekretär Johann Friedrich Helbig einen Jahrgang von Kantatendichtungen unter dem Titel "Aufmunterung zur Andacht" für den Gebrauch der fürstlichen Kapelle zu Eisenach. Kapellmeister war zu dieser Zeit Georg Philipp Telemann, der zu den Texten Helbigs dann die Musik komponiert hat. Nur ein einziges Mal hat auch Johann Sebastian Bach einen Text dieser Sammlung benutzt und zur textlichen Grundlage seiner Kantate gemacht: Und zwar für die Kantate des heutigen Sonntags, die den Titel trägt: "Wer sich selbst erhöht, der soll erniedriget werden".

Und dieser Text knüpft an das Sonntagsevangelium an, in dem Jesus vor dem Hochmut warnt und zur Bescheidenheit aufruft. So zitiert der Eingangssatz den Schlussvers des Evangeliums.

228 Takte ist der Eingangschor lang und bildet so den Schwerpunkt der Bachschen Kantate. Im zweiten Satz schließt sich nun eine drastische Predigt gegen den Hochmut an. Musikalisch spiegelt der Satz den im Text vorgezeichneten Gegensatz Demut  - und Hoffart, also Hochmütigkeit wider: Der Hauptteil, der die Demut darstellt, ist durch eine fließende kunstvolle Melodik gekennzeichnet, der Mittelteil, der die Hochmütigkeit darstellt, ist durch eine widerborstige Rhythmik der Singstimme gekennzeichnet.

Ein einfaches Rezitativ leitet über zur zweiten Arie der Kantate.  Oboe und Violine bilden zusammen mit dem Continuo ein Trio, das durch den Einsatz der Singstimme zum Quartett erweitert wird. Die Wendung "dass ich nicht mein Heil verscherze wie der erste Höllenbrand" zielt auf die im christlichen Volksglauben verbreiteten Legende von Luzifer, der, ursprünglich Engel, seines Hochmuts wegen in die Hölle gestürzt wurde.

Als Schlusschoral dient die 11. Strophe des Liedes "Warum betrübst du dich, mein Herz". Und mit der Bitte um die Ewigkeit mündet die Komposition sozusagen in einem Gebet.

BWV 47: "Wer sich selbst erhöht, der soll erniedriget werden". Es singen und spielen Wiener Sängerknaben und Concentus musicus Wien, Leitung: Niokolaus Harnoncourt.

Quelle: Alfred Dürr: Die Kantaten von Johann Sebastian Bach. Bärenreiter 1995.