Malagón - Klostergründung der Hl. Teresa von Ávila
Malagón - Klostergründung der Hl. Teresa von Ávila
Teresa von Ávila
Teresa von Ávila

09.10.2015 - 10:00

"Man muss Flügel haben!" Auf den Spuren der Heiligen Teresa von Ávila

"Muss man Flügel haben, um auf die Suche nach sich selbst zu gehen? Man braucht sich nur in die Einsamkeit zu begeben." Hoch oben in Kastilien, in Ávila wurde 1515 Teresa Sánchez de Cepeda y Ahumada geboren, die Heilige Teresa von Ávila. Auf verschiedenen Routen kann man ihrem Wirken nachspüren.

Mit 20 Jahren trat Teresa in das Karmelitinnen-Kloster in Ávila ein. Tiefe religiöse Erfahrungen, aber auch Kranhkeiten prägten die selbstbewusste Ordensfrau mit dem großen Charisma, die  selbst Klöster gründete und baute, auch Männerklöster. Als Heilige und große Mystikerin wird Teresa von Ávila bis heute verehrt und dies natürlich vor allem in ihrer Heimat.

domradio-Reisen besucht neben Ávila drei weitere Orte der neu geschaffenen Route "Huellas de Santa Teresa" (Die Spuren der Heiligen Teresa). Von Ávila geht es nach Alba del Tormes, Ort ihres Todes und Begräbnisses, nach Toledo, der Stadt ihrer jüdischen Vorfahren, und schlieẞlich nach Malagón, einem kleinen Ort in der Mancha, wo noch heute Karmeliterinnen das von ihr gegründete Kloster bewohnen.

"Teresiana" - Pilgern auf der Spuren der Teresa

Siebzehn spanische Städte haben darüberhinaus ihrer prominenten Tochter jetzt einen eigenen Pilgerweg gewidmet - jene Orte, an denen Teresa im 16. Jahrhundert ihre Reformklöster für unbeschuhte Karmeliter und Karmelitinnen gründete. Großstädte wie Valladolid, Granada oder Sevilla sind genauso dabei wie etwa das Paar-Tausend-Seelen-Nest Villanueva de la Jara in der Provinz Cuenca.

"Wir wollen die Leute anregen, Spanien von einer ganz anderen Seite kennenzulernen", sagt Hector Palencia, der im Stadtrat von Avila für Tourismus zuständig ist. Tatsächlich sei das Interesse schon in den ersten Monaten des Jubiläumsjahres stark gestiegen. Besucher kämen vor allem aus dem europäischen Ausland, aber auch aus Südkorea oder den Philippinen.

Clevere Geschäftsfrau in klappriger Kutsche

Dabei, so betont Karmeliterpater Antonio Gonzalez im Geburtshaus Teresas, stehen nicht nur die Spuren der Heiligen und späteren Kirchenlehrerin im Vordergrund, sondern genauso die der Mystikerin, Autorin und Feministin. Obwohl Teresa im strikt von Männern dominierten Spanien des 16. Jahrhunderts lebte, gelang es ihr immer wieder, Gelder und Gönner für ihre Klostergründungen aufzutreiben.

Sie, die ihren Nachfolgerinnen ein Leben in strenger Klausur empfahl, legte selbst in einer klapprigen Kutsche Tausende Kilometer kreuz und quer durch Spanien zurück: eine clevere Geschäftsfrau mit spirituellem Tiefgang und viel Sinn für Poesie, wie ihr umfangreiches Werk belegt.

"Ich bin Jesus de Teresa"

Das Logo der neuen Teresa-Route ist eine dreiteilige Spur aus Fersenabdruck, Fußballen und Wanderstab. Es führt in Avila zum Beispiel zu jener Stelle, an der einst ihr Geburtshaus stand und heute ein Männerkloster; dann zu ihrer allerersten Gründung, dem Kloster San Jose; und schließlich zum berühmten Menschwerdungskloster, in das sie als junges Mädchen eintrat und in dem sie später viele mystische Erlebnisse hatte. Die Legende berichtet, wie Teresa hier einst im Kreuzgang auf ein Kind traf. Das fragte sie nach ihrem Namen, und sie antwortete: "Ich bin Teresa de Jesus, Teresa von Jesus - und du?" Und der kleine Junge erwiderte: "Ich bin Jesus de Teresa, Jesus von Teresa."

Fußwanderweg "Von der Wiege bis zum Grab"

In Avila startet auch der Fußwanderweg "Von der Wiege bis zum Grab", der über 118 Kilometer bis zu Teresas Sterbeort Alba de Tormes führt.

Auf staubiger Schotterpiste geht es durch die karge Landschaft Altkastiliens, durch schier endlos wirkende Felder, vorbei an frisch gepflügten Äckern und immer wieder auch an Steineichen. Da fällt es leicht, sich vorzustellen, wie Teresa einst unter den dachartigen Kronen dieser für die kastilische Hochebene typischen Bäume Schutz vor glühender Hitze oder peitschendem Wind gesucht haben mag.

"Du hast die gleichen Wege wie ich beschritten"

"Du hast die gleichen Wege wie ich beschritten und die gleiche Landschaft angeschaut, die ich gesehen habe", heißt es im kunstvoll kalligrafierten Text der Pilgerurkunde, den der Lokaldichter Jose Pulido der Heiligen in die Feder geschrieben hat. Sie selbst hat vor nicht ganz einem halben Jahrtausend formuliert: "Würden wir auf nichts anderes sehen als auf den Weg, so wären wir bald am Ziel." (Hilde Regeniter)

(Erstausstrahlung: 27.3.15)