winterlicher Marktplatz in Grossarl
winterlicher Marktplatz in Grossarl

12.12.2014 - 10:00

Bei den Menschen im Grossarltal Wo der Advent zu Hause ist

Nirgends ist der Advent schöner als in den Bergen! Von dort muss es herstammen, unser ganzes vorweihnachtliches Brauchtum. Denn dort stehen die hohen Tannen, dort liegt der Schnee, dort hängen schon im Dezember die Eiszapfen tief herab von den Holzhütten der Adventmärkte. Für das Grossarltal stimmt das allemal.

 

Natürlich ist das ein Traum, anderseits aber ist in den Bergen die Volksfrömmigkeit noch selbstverständlich und tief verwurzelt, der Advent authentisch. Was im Fernsehen kitschig ist, ist vor Ort durchaus echt. domradio-Reisen ist unterwegs im Bergadvent von Grossarl, hoch oben im Pongau des Salzburger Landes, erzählt von den Menschen, ihrem Brauchtum und ihrem adventlichen Engagement.

Rupert der Holzkünstler

Längst dämmert es in den Gassen von Grossarl. Wie an jedem Wochenende im Advent öffnen jetzt die Hütten des Adventmarktes, und die Straßen beleben sich mit Einheimischen und Besuchern. Kalt ist es, der erste Schnee ist gefallen, stimmungsvoll brennen überall Fackeln und Holzfeuer.

Der Stand eines Holzschnitzers lockt. Rupert, Holzhandwerker und Bildhauer aus Grossarl führt ihn. Der junge Mann mit seinen langen Haaren, seinem Pulli und der Mütze könnte auch aus Norwegen stammen. Aber er ist hier groß geworden, schnitzte schon in Kindheitstagen. Mit sechs Jahren wurde er während der Ferien auf einen anderen Bauernhof geschickt, entrindete unentwegt die Bäume. Im Nachhinein, so erzählt er heute, sei das auch eine fast schon spirituelle Arbeit gewesen. Mit zwölf Jahren schnitzte er seine erste Krampusmaske, die er heute weit über die Grenzen hinaus verkauft. In seiner Werkstatt gleich nebenan im Zentrum des Dorfes fertigt er wie selbstverständlich diese traditionelle Holzkunst, aber auch moderne Skulpturen ziehen die Blicke an.

Alte Weisen und moderne Trachten

Eine Gasse tiefer steht eine Bläsergruppe. Trotz des Frostes spielen sie alte Weisen. Weihnachtslieder von CD erklingen hier in Grossarl nicht. Und auch Silvester ist da, ein Urgestein des Tales, der einen Bauernhof und eine Alm führt und auch Skilehrer ist. Mit seiner Tochter, mit Nichte und Neffe singt er vierstimmige Adventslieder. Das ist kunstvoll und präzise und berührend, das ist ganz authentisch dargebrachtes Brauchtum, geschöpft aus einem großen Reichtum selbstverständlicher Musikalität.

Aus einer Holzhütte schaut eine junge Frau keck die Besucher an, sie sei die Schneiderin vom Ort, erzählt sie. Helga ist für die Trachten zuständig, eine Anschaffung fürs Leben seien diese, aber auch moderne Schnitte wagt sie. Helga ist typisch für so manche Grossarler, die nicht wie ihre Vorfahren abgeschottet ihre Traditionen leben, sondern der Welt und besonders ihren Gästen sehr offen begegnen.

Die Adventszeit nutzen die Grossarler – die durchaus erfolgreich zum Bergadvent einladen – auch als Zeit für sich. Denn wenn spätestens Weihnachten die Skisaison beginnt, bleibt wenig Zeit für das Gesellige. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum der Advent so intensiv gelebt wird. Und dazu zählt nicht nur der Kirschpunsch, dazu gehören auch die vielen Adventkonzerte oben in der Kirche, und ebenso gehört dazu gehört die eindrucksvolle Krippenausstellung in großen Vitrinen auf dem Weg hinauf zur Kirche.

Krippen und verschneite Wege

Neben der Kirche im alten Holzstall der Pfarrei hat der Krippenbauverein sein Domizil. Viel Zeit verbringen hier die Grossarler, denn auch das ist selbstverständlich, dass in jeder Familie eine dieser liebe- und mühevoll gestalteten Krippen stehen soll.

Hinter dem Stall beginnt ein stiller Wanderweg über Weiden und unter Tannen hindurch. Der Schnee knirscht unter den Schuhen, sonst ist es ruhig. Die warmen Farben des Bergadvents leuchten herauf und gegenüber im Tal strahlen die Lampen der Schneekanonen. Mit dem Advent hält auch der Winter Einzug, und bald werden die Gäste des Advents von den Skifahrern abgelöst. Bis dahin aber klingen die Stimmen und Volksweisen des Grossarlers Bergadvents lange nach.  (St.Q.)

(Wdhlg. v. 14.12.12)