16.11.2014 - 20:00

Große Messvertonungen von Bach, Zelenka, Mozart geben Rätsel auf Absolute Musik

Zu lang, zu schwer, ohne erkennbaren Auftrag komponiert: die großen Messvertonungen des 18. und 19. Jahrhundert führen ausgerechnet eine Musikgattung in Gipfelhöhen, bei der es immer auch im Praktikabilität gegangen war. Bei der Vertonung der sich sonntäglich wiederholenden Texte der katholischen Messe gab es oft Vorgaben durch die Kirche, um einen geregelten Ablauf des Gottesdienste sicher zu stellen. Doch Komponisten wie Bach, Zelenka, Mozart oder auch Beethoven schufen wahre Kunstwerke, die den damals üblichen Rahmen deutlich sprengten.

In Musica erklingt die Missa Votiva von Jan Dismas Zelenka. Die Messvertonungen der Jahre 1739 bis 1741 des Dresdner Hofmusikers entstanden allesamt ohne offizielle Kompositionsaufträge. Die Missa Votiva schrieb Zelenka ebenfalls in dieser Zeit und das Werk wurde wohl wie die h-moll-Messe von Johann Sebastian Bach nicht zu Lebzeiten des Komponisten uraufgeführt. Zelenka komponierte das Werk vermutlich als Erfüllung eines Gelübdes, nachdem er sich von einer ernsthaften Erkrankung erholt hatte. Vor 275 Jahren entwarf der Dresdner Hofmusiker das Werk, das mit rund 70 Minuten Länge eine der längsten Messvertonungen der damaligen Zeit war. Bachs h-moll-Messe entstand erst 10 Jahre später.

Das Komponieren von Messvertonungen ohne konkreten Auftrag und Vorgaben oder ohne Chance auf Aufführung war aber im 18. Jahrhundert eigentlich unüblich. Noch zu Mozarts Zeiten gab es Vorgaben vom jeweiligen Bischof, wie lang eine Messvertonung zu sein habe, wie umfangreich die Besetzung sein sollte und vieles mehr. Davon unterscheiden sich deutlich die unabhängigen Vertonungen. Die große Messe in c-moll von Wolfgang Amadeus Mozart ist dafür ein Beispiel, oder die Missa solemnis von Ludwig van Beethoven, die zwar einen konkreten Anlass als Ursprung hatte, aber so umfangreich komponiert wurde, dass sie erst nach Beethoven Tod in einem Gottesdienst uraufgeführt wurde. In gewisser Weise auf die Spitze trieb es Johann Sebastian Bach, der als Lutheraner mit der h-moll-Messe eines der größten Kunstwerke der Menschheitsgeschichte schuf, ohne auch nur katholisch zu sein. Bis heute rätseln Musikwissenschaftler, warum Bach dieses Zwei-Stunden-Werk schrieb, ob es nicht doch einen konkreten Aufführungsanlass zum Beispiel im Wiener Stephansdom gegeben haben könnte. Im Moment überwiegt aber eher die Vermutung, dass der Entstehungsgrund schlicht Bachs Sinn für die Vollendung von Zyklen war – so wie er am Ende seines Lebens auch in anderen Gattungen Werke zu Zyklen wie die Kunst der Fuge zusammenfasste, so wollte er vielleicht aus Fragmenten eine komplette Messvertonung formen ohne gottesdienstlichen Bezug.

Moderation: Mathias Peter