Zahlreiche Gläubige haben sich zu einem Gottesdienst an der kleinen Kirche Klüschen Hagis versammelt.
Zahlreiche Gläubige haben sich zu einem Gottesdienst an der kleinen Kirche Klüschen Hagis versammelt.
Schwester Katharina
Schwester Katharina

03.06.2019 - 06:00

Osterimpuls von Schwester Katharina Wallfahrtsort Klüschen Hagis im Eichsfeld

Schwester Katharina lädt ein, gedanklich zum Wallfahrtsort Klüschen Hagis im Eichsfeld zu pilgern und mit ihr zu beten. Der Ort liegt im Freistaat Thüringen nahe der ehemaligen innnerdeutschen Grenze.

Es gibt ziemlich viele Wallfahrtsorte, die sehr bekannt sind und zu denen viele Menschen immer wieder unterwegs sind: Nach Kevelaer, Altötting, nach Vierzehnheiligen oder zum Kölner Dom. Aber es gibt sehr kleine Orte, die nur im Umkreis bekannt sind und die nur ein oder zweimal im Jahr richtig viel besucht werden.

Im Glauben zusammenstehen

Einer dieser Orte ist das Klüschen Hagis im Eichsfeld, wo auch in diesem Jahr wieder am Himmelfahrtstag die Männerwallfahrt stattgefunden hat. 1956 nämlich, als sich immer mehr herausgestellt hat, dass sich die Teilung unseres Landes verfestigen würde und der Sozialismus und angestrebte Kommunismus immer kirchenfeindlicher geworden ist, haben einige mutige Männer diese Wallfahrt ins Leben gerufen. Und sie ist der jährliche Höhepunkt für mehr als 20.000 Männer und Jugendliche geworden. Gemeinsam als Christen in einem feindlich gesinnten Umfeld zusammenstehen, Gottesdienst feiern und sich im Glauben stärken lassen, war eine starke Botschaft. Die Themen der Wallfahrten über diese 63 Jahre hin lassen deutlich spüren, was gerade gesellschaftlich relevant war.

1957 zum Beispiel: "Ihr sollt meine Zeugen sein". 1962, nach dem Bau der Mauer: "Löscht den Geist nicht aus". 1972, nach der Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki: "Christen verantworten gemeinsam". 1989, als die politische Situation in der DDR immer schwieriger wurde: "Die Freude am Herrn ist unsere Stärke". 1990, im Jahr des großen Umbruchs in Deutschland: "Preiset Gott, den Herrn, zu jeder Zeit", um nur einige zu nennen.

Christlicher Glaube als politisches Statement

Einer der wichtigen Aspekte auf dieser Wallfahrt ist immer die Predigt des jeweiligen Bischofs. Es geht immer um die politische und gesellschaftliche Situation im Land. Missstände werden benannt und Ermutigung für das Leben aus dem Glauben im Alltag gegeben. Das war zu Zeiten der DDR-Diktatur überlebensnotwendig, damit die Christen mutig und gestärkt weitergehen konnten. Interessanterweise ist die Wallfahrt nie verboten worden. Das haben die Staatsverantwortlichen nicht gewagt. Vielen Männern ist bei vielen Wallfahrten deutlich geworden, dass Christsein immer eine politische Dimension hat. Um Gottes willen für die Menschen da sein, auch wenn es unbequem und gefährlich ist. Der gesellschaftliche Aspekt des Evangeliums wurde für viele Menschen hier erst richtig deutlich.

In diesem Jahr hieß das Leitwort aus dem Buch Jesaja: "Ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben". Das finde ich ein ziemlich gutes Wort, auch in Ihren und meinen Tag heute: "Ich will euch eine gute Zukunft und eine Hoffnung geben".

(DR)