Am leeren Heiligen Grab in der Grabeskirche in Jerusalem
Am leeren Heiligen Grab in der Grabeskirche in Jerusalem

25.04.2019 - 06:00

Osterimpuls von Schwester Katharina "Ostern ist eine verrückte Sache"

Schwester Katharina erzählt in ihrem Morgenimpuls davon, wie Ostern all unseren Erfahrungen widerspricht und zum Fest des Unmöglichen wird. Ostern sei keine Einladung zum Festhalten, sondern zum Glauben lernen.

Ostern ist schon eine verrückte Sache. Ostern verrückt nämlich alles: Der Stein, die Grabplatte, als Endpunkt ist einfach weggerollt, weggedrückt. Ein junger Mann sitzt im Grab und bringt die Botschaft des Lebens. Sonst galt wenigstens eins als wirklich sicher: Tot ist tot. Noch nicht mal das gilt seit Ostern mehr. Der Tod ist weggerückt und die Botschaft heißt: "Geh dahin, wo das Leben pulsiert, da findest du den Lebenden". Ostern verrückt unsere Erfahrungen: Vom Tod zum Leben, von der Resignation zum Mut, von der Verzagtheit zum Neubeginn. Ostern will gegen jeden Augenschein auf Leben hoffen.

Vielleicht tun sich deshalb selbst fast 40 Prozent aller Christen hier in Deutschland so schwer damit, an die Auferstehung zu glauben. Vielleicht, weil sie so wenig Hoffnung haben. Ostern ist das Fest des Unmöglichen! Es beginnt am Grab, dem Ort der Trauer, wo uns die geliebten Menschen zunächst genommen sind. Das Grab sagt: "Das war‘s!" und bleibt als Ort der Erinnerung – und wirkt wie der Augenschein des absoluten Endes. Aber selbst das leere Grab sagt absolut noch nichts. Die Ratlosigkeit und das Erschrecken bleiben noch lange. Die Jünger und die Jüngerinnen sind ziemlich entsetzt und ratlos und wissen mit der Situation nicht umzugehen.

Wir heutigen Christen singen oft zu schnell und unbedarft das Halleluja – und verstehen alle die nicht, die nicht glauben können. Ostern ist die Einladung nicht zum Festhalten, sondern zum Glauben lernen. Geh ins Leben zurück nach Galiläa, ist die Botschaft an die Jünger. Geh dahin, wo die Zeichen des Lebens vorsichtig aufknospen. Entdecke auch bei dir die Zeichen des neuen Lebens: Ein Neugeborenes, eine überstandene schwere Krankheit, eine gelungene Versöhnung nach langem Streit. Versuche dann ein zaghaftes, vorsichtiges Halleluja. Vielleicht wird es im Laufe der Zeit größer und kräftiger – und selbst dann, und trotzdem: Ostern ist eine verrückte Sache.

(DR)