Jugendliche mit einem Kreuz in der Hand
Jugendliche mit einem Kreuz in der Hand

14.11.2019 - 06:00

Morgenimpuls von Schwester Katharina Einsatz zeigen für die Kirche

Die Kirche hat heutzutage keinen leichten Stand in der Welt. Schwester Katharina fordert deswegen: Nicht mehr abwarten und auf den Himmel hoffen, sondern machen: diskutieren und protestieren, die eigenen Möglichkeiten nutzen, nichts unter den Teppich kehren und jeden Tag für die Kirche beten.

In der Lesung zu den Laudes heute aus dem Römerbrief habe ich, wie auch bei vielen anderen biblischen Texten, oft das Gefühl: Der Brief ist genau für uns heute geschrieben. 

Da steht im achtzehnten Vers des fünften Kapitels: "Ich bin nämlich überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Paulus argumentiert, dass all die Dinge, unter denen die Menschen egal welchen Glaubens leiden, trotz allem in die Herrlichkeit Gottes führen werden."

In meiner Zeit als Kind und Jugendliche in der DDR war das so ein Satz, den die Staatsbürgerkunde-Lehrer gern benutzt haben. Sie wollten uns Christen damit beweisen, dass das Christentum nur auf Vertröstung, auf später, auf den Himmel ist und sie deshalb nichts daran tun, die Verhältnisse heute zu verbessern. Da konnte ich als damals vielleicht 14- oder 15-jährige getrost kontern, dass die vielen Einrichtungen der Kirchen für Kinder, Kranke, Alte und Behinderte aber genau das Gegenteil beweisen würden. Dass wir aber zu unserer Zeit jetzt sehr viel stärker an der eigenen Kirche leiden würden, das konnte ich mir damals überhaupt nicht vorstellen. Unsägliche Verhaltensweisen und Verbrechen von Priestern, Bischöfen und anderen Amtsträgern der eigenen Kirche machen immer neu atemlos, bestürzt, wütend und traurig.

Wenn ich dann aber die Zusage im Brief des Paulus genauso auslegte wie damals in der DDR, dann heißt das wieder nicht abwarten und auf den Himmel hoffen, sondern mich einsetzen: Gegen die vielen Missstände in meiner eigenen Kirche, diskutieren und protestieren, meine Möglichkeiten nutzen und nichts unter den Teppich kehren – und immer und jeden Tag für Sie beten und für Sie hoffen. Ich bin nämlich – wie Paulus – trotzdem überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Und mich vielleicht auch zum Gespött derer machen, die diese Hoffnung auf die Kirche nicht mehr teilen können.

(DR)