Die vatikanische Zeitung "Osservatore Romano" stellt ihre Printausgabe vorübergehend ein
Gute Nachrichten finden bei den vielen negativen Schlagzeilen

16.06.2020 - 06:00

Morgenimpuls von Schwester Katharina Keine Ausreden: Jeder von uns kann!

Eine weltweite Pandemie, eine Wirtschaftskrise und negative Schlagzeilen, die einfach nicht abreißen. Jetzt gilt es: Nicht Schuldige finden, sondern geduldig nach Lösungen suchen. Jeden Tag auch die einzelnen guten Nachrichten sehen oder: Sie selbst sein!

Ich liebe historische Romane und in meinem jetzt beginnenden Urlaub will ich mindestens drei von ihnen lesen, in denen es um die Besiedlung Mittel- und Ostdeutschlands geht und so um das zehnte Jahrhundert beginnt. Den ersten Band habe ich gelesen und ich bin ehrlich gesagt entsetzt. Im Großen und Ganzen geht es immer nur um Gewalt und um Macht und Mord und Totschlag. Um Vergewaltigung und Erpressung. Aber irgendwann mittendrin entdeckt man Linien und Fügungen in den vielen Geschichten und versteht immer mehr von den Vorkommnissen und Wendungen, die die damalige Geschichte geprägt und Weichen in die Zukunft gestellt haben.

Und dann habe ich gestern Abend an der Elbe gestanden und von Ferne den majestätischen Anblick auf den Magdeburger Dom genossen. Da ist mir klar geworden, dass das die andere Seite einer wilden Zeit war. Einen Dom zu bauen, zunächst mal nur zur Ehre Gottes und um das Lob Gottes in einer Stadt, einem Fürstentum in einem Königreich nicht verstummen zu lassen.

Und heute denken wir an einen Mann, der als Bischof von Meißen im beginnenden elften Jahrhundert das damalige östlichste Bistum geleitet und es mehr als viele andere geprägt hat. In seiner Lebensgeschichte habe ich einen sehr interessanten Satz gefunden: "Benno war ein unkriegerischer Mann", steht da. Beim Aufstand der Sachsen und nach 1085 suchte er diplomatische Lösungen. In seiner Zeit, in der nahezu alles durch Kriege und Eroberungen geprägt worden ist, ist das wohl eine sehr bemerkenswerte Eigenschaft. Und so ist es ja ehrlich gesagt heute noch. In diesen verrückten Zeiten mit Pandemien, Diktaturen, leicht irren Machthabern in den großen Nationen sind es nicht so selten diejenigen, die geduldig nach Lösungen suchen, statt Schuldige zu finden. Die, die einen Streit beruhigen und Krisen entschärfen. Wir können in allen negativen und schrecklichen Nachrichten jeden Tag auch die einzelnen guten Nachrichten finden oder selbst sein. Sagen wir nicht, dass wir Einzelne ohnehin nichts tun können. Wir können.

(DR)