Symbolbild: Wieso gehen jungen Frauen in einen Orden? Das fragt häufig das Umfeld...
Symbolbild: Wieso gehen jungen Frauen in einen Orden? Das fragt häufig das Umfeld...
Sr. Katharina Hartleib OSF vor dem Kölner Dom
Sr. Katharina Hartleib OSF vor dem Kölner Dom

20.11.2019 - 06:14

Morgenimpuls von Schwester Katharina Vom Mut in den Orden einzutreten

Die Franziskannerinnen in Olpe haben gerade eine junge Frau ins Postulat aufgenommen. Das Umfeld reagierte mit der Frage: Wie kann man heute noch in einen Orden eintreten? Schwester Katharina weiß, dafür braucht es Mut. 

Dienstagabend hatten wir in Olpe im Mutterhaus eine festliche Vesper, ein Abendlob wie eigentlich jeden Tag. Aber diesmal waren ein paar Dinge anders. Zum einen haben wir das Fest der Heiligen Elisabeth von Thüringen gefeiert, die die Patronin unserer deutschen Provinz der Olper Franziskanerinnen ist. Und einmal einen ganzen Tag an eine junge Frau zu denken, die in ihrem kurzen Leben so ungewöhnlich viel gelebt und geliebt hat, das ist schon wirklich schön. Aber noch viel ungewöhnlicher war die Aufnahme einer jungen Frau ins Postulat, in die zweite Stufe der Eingliederung in unsere Ordensgemeinschaft. Seit mehr als einem Jahrzehnt gab es das bei uns nicht mehr, und viele sind erstaunt und erfreut.

Aber es gibt auch die Aussage: "Wie kann man nur heutzutage so etwas noch machen?" Oder eine andere bemerkt: "Na, die traut sich ja etwas." Aber so ist es tatsächlich: Sie traut sich etwas. Als Kindergartenkind hat sie Franziskanerinnen erlebt, aber eben nur in "alt", wie sie selber sagt. Durch einen Wettbewerb für junge Frauen 2013 hat sie dann Schwestern in den USA in "jung" erlebt, und gemerkt: Oh, wenn es das auch in "jung" gibt, ist das vielleicht was für mich. Seitdem ist unser Kontakt immer vielfältiger und enger geworden.

Seit Februar 2018 hat sie als Kandidatin für unsere Gemeinschaft gelebt, weiter studiert und ist, so oft sie konnte, zu uns in den Konvent gekommen. Jetzt hat sie ihr Studium beendet und traut sich. Sie traut sich, einen Weg weiterzugehen, der gerade in Zeiten von Kirchen und Glaubenskrise schon einiges an Mut kostet. Im Lesungstext kam das schöne Wort der Emmausjünger: "Brannte uns nicht das Herz, als Jesus unterwegs mit uns redete?" Auf dem Weg bleiben mit brennendem Herzen, das ist Aufgabe für jede und jeden von uns - ganz gleich, welchen Lebensweg wir gehen - und füreinander beten, damit wir uns das auch weiterhin trauen können.

(DR)