Ameise auf einer Pfingstrose
Ameise auf einer Pfingstrose

03.06.2020 - 07:00

Morgenimpuls von Schwester Katharina Was haben Ameisen auf Pfingstrosen zu suchen?

Schwester Katharina bewundert die Pfingsrosen im Garten. Nur die Ameisen, die auf den klebrigen Blüten herumkrabbeln, stören sie. Bis sie herausfindet, was die kleinen Insekten da eigentlich machen und was das mit unserem Glauben zu tun hat. 

Wir haben ja zu unseren kirchlichen Festen sogar passend blühende Blumen, den Weihnachtsstern, die Osterglocken und jetzt im Juni die Pfingstrosen. Haben Sie im Garten Pfingstrosen? Wir haben sie in diesem Jahr in prächtigster Fülle.

Was ich aber nicht leiden kann, sind die vielen Ameisen, die auf den Knospen herumkrabbeln. Ich habe dann gelesen, dass die Ameisen von dem klebrigen Zuckersaft angelockt werden, den die Pfingstrosen vor der Blüte absondern. Der Zuckersaft entspringt den Kelchblättern und wird dann von feinen Härchen von der Pflanze abgesondert, sodass der auskristallisierte Zucker außen an den Blüten klebt. Manchmal sondert die Pflanze so viel Zucker ab, dass die Blüten verkleben und sich nicht öffnen können. Daher ist der Hunger der Ameisen auf Süßes durchaus sinnvoll. Denn wenn der Zucker aufgegessen ist, können sich die Blüten leicht öffnen. Die Ameisen sind also nicht schädlich für die Pflanze, sondern unterstützen sie beim Aufblühen.

Was haben eigentlich Ameisen jetzt mit meinem Glauben zu tun? Eigentlich nichts. Aber wenn ich so bedenke, welche Probleme, Hindernisse, Zweifel und Anfragen von außen an mir und meinem Christsein herumknabbern und mir lästig sind, wird mir klar, dass nur das helfen kann, mein Christsein zum Blühen zu bringen. Es bringt nichts, alles Störende, scheinbar Glaubens- und Kirchenfeindliche, vermeintlich lästige zu meiden oder mein Christsein in chemisch reinem Umfeld, also innerkirchlich zu leben zu versuchen.

Dann kommt alles bis zur Knospe, aber es geht eben nicht auf – kann nicht blühen und später Früchte bringen. Also auch heute wieder mein Auftrag: Raus ins Ameisengetümmel des realen Lebens, um mich und meinen Glauben an Gott und Jesus Christus frei zu entfalten und zum Blühen und zum Fruchtbringen bringen.

(DR)