Blick auf den Petersdom
Blick auf den Petersdom

08.11.2019 - 06:00

Morgenimpuls mit Schwester Katharina "Die Seele braucht Glanz, um sich zu entfalten"

Schwester Katharina ist berührt von der Schönheit des Petersdoms. Sie findet, dass er alles Geld wert ist. Denn die Seele brauche den Glanz und die Schönheit, um sich zu entfalten und sich immer wieder zu Gott auszustrecken.

Ich bin zurzeit mit der Hörerreise des DOMRADIO in Rom. Es ist schön, dass wir auch über so große Entfernungen heute zusammen beten können. Ziel und Mittelpunkt jeder Romreise ist natürlich immer das Grab des heiligen Petrus. Ihm, dem einfachen Fischer, dem Jesus seine Kirche anvertraut hat und ihm zugesagt hat, dass die Pforten der Unterwelt sie nicht überwinden werden, ihm zu Ehren ist dieser Petersdom gebaut.

Und weil mehr als tausend Jahre lang nichts Vergleichbares mehr in Rom gebaut worden war, war der Wille der Erbauer, dass diese Kirche an Größe und Pracht alles in den Schatten stellen sollte, was je gebaut worden ist. Also wurde der Vorgängerbau abgerissen und die heutige Peterskirche gebaut. Weil die Christen aus aller Welt dort ihren Versammlungsort, ihren Gottesdienstraum, ihren Ort für die Kommunikation und die Kommunion haben sollten. Wenn ich dann an einem sonnigen Morgen alleine draußen auf dem Petersplatz stehe, bin ich erstaunt und ganz berührt von seiner Helligkeit, seinen Proportionen, seiner Schönheit.

Und dann erst das Innere. Die Pietà von Michelangelo, die alles Leid und alle Trauer der Mutter um den toten Sohn nahezu lebendig zeigt. Der lehrende Petrus, der den Auftrag zur Verkündigung des Evangeliums weitergibt, die Grabmäler der Päpste, die Kuppel über dem Altar und die schier ungeheure Größe. Der Glanz, das Gold, die vielen Altäre und die Kunstwerke beeindrucken jeden. Und immer kommt dann die Frage nach dem vielen Geld, das dazu notwendig war und ist – und ob man es nicht lieber den Armen hätte geben sollen.

Willibert Pauels hat zu dieser Frage die Schriftstellerin Hilde Domin zitiert, die gesagt hat: "Wir essen das Brot, aber wir leben vom Glanz." Die Seele braucht den Glanz, die Kunst, die Musik, die Schönheit, um sich zu entfalten und um sich aus dem Alltag immer wieder zu Gott auszustrecken, der das Ziel aller Wallfahrt und aller Sehnsucht ist – und bis heute bleibt.

(DR)