Betende Hände mit Kerze
Betende Hände mit Kerze

14.01.2021 - 06:00

Morgenimpuls mit Schwester Katharina Sterben in Corona-Zeiten – wie kann man Abschied nehmen?

Im Gespräch mit der sterbenden Mutter einer Mitschwester denkt Schwester Katharina über das Sterben in Corona-Zeiten nach. Wie kann der Abschied von einem geliebten Menschen aussehen? Ihre Antwort findet sie in einem Hymnus zur Laudes.

Gestern war ich einige Stunden bei der sterbenden Mutter einer Mitschwester. Im leisen Gespräch ging es unter anderem um die Regelungen zur Beerdigung. Und aus dem Gespräch kam die Not zum Ausdruck, was denn ist, wenn sich die Familie wegen der Pandemie nicht mehr verabschieden kann. Die Enkelinnen, die ihre Omi über alles lieben, können sich überhaupt nicht vorstellen, die Oma nicht mehr zu sehen, weil ein Besuch nicht mehr möglich ist und sogar dann auf den Friedhof nicht mehr alle Familienmitglieder mit dürfen, weil die Inzidenz-Zahlen im entsprechenden Landkreis zu hoch sind. Selbst der dort angefragte Priester musste eingestehen, dass die Todeszahlen in seinem Pfarreiverbund so hoch sind, dass ein Trauer-Gespräch nicht mehr möglich ist, da er und seine Mitarbeiter es nicht mehr schaffen. Was jetzt?

Ein Bestatter hat erzählt, dass er mittlerweile Beerdigungen filmt und das Video der Familie zur Verfügung stellt. Die Idee einer anderen Seelsorgerin schien mir auch bemerkenswert. An alle Verwandten einen Brief oder eine Mail zu schicken mit den Daten und Informationen über die Verstorbenen, mit Fotos und Erinnerungen, mit einem Bibeltext und einem Gebet und mit der Aufforderung, am entsprechenden Beerdigungszeitraum sich Zeit zu nehmen, eine Kerze anzuzünden und sich im Gebet mit dem Verstorbenen und der Familie zu verbinden. Kriege, Katastrophen und Pandemien haben unser Leben und unsere Art, mit dem Tod umzugehen, immer wieder verändert. Und auch diese Pandemie wird andere Rituale und Formen begründen. Was aber bleiben wird, ist die Hoffnung auf den Gott, dessen Sohn für uns Leid und Tod überwunden hat und uns himmlische Perspektiven eröffnet hat. In einem Hymnus für die Laudes steht dazu in einer Strophe: Und jener letzte Morgen einst, den wir erflehen, voll Zuversicht, er finde wachend uns beim Lob und überströme uns mit Licht. Das hoffe ich. Das glaube ich. Und darauf vertraue ich ganz fest.

(DR)

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