Schwester Katharina
Schwester Katharina

24.11.2020 - 07:08

Morgenimpuls mit Schwester Katharina Von der abgefahrenen Idee Gottes, die Menschen wieder zu erreichen

Weihnachten steht kurz vor der Tür und ganz Deutschland diskutiert darüber, wie wir trotz Corona Weihnachten feiern können. Weihnachten wird aber auch dieses Jahr nicht ausfallen, weiß Schwester Katharina.

Ein bisschen wundert es mich schon. Seit Wochen beraten die Regierung und die Landesregierungen darüber, was sie tun können, damit wir Weihnachten in trauter Runde mit der Familie und den Großeltern feiern können. Damit bis dahin die Wirtschaft weiterlaufen kann, damit der Geschenkeindustrie nicht noch das Weihnachtsgeschäft verhagelt wird. Mehr noch, damit Weihnachten nicht ausfällt.

Der Heilige Abend ist in einem Monat und er ist auch in Kriegsjahren, in Pest und anderen Seuchen-Jahren, in Hungerwintern und Ölkrisen nicht ausgefallen. Weil wir uns an Weihnachten erinnern, an die unglaublich abgefahrene Idee dieses Gottes, die Menschen wieder zu erreichen, indem er ihnen keine kriegerischen Heerscharen und einen über Kaiser schickt, sondern seinen Sohn.

Und das auch noch nicht einmal mit allen Insignien eines gewählten Präsidenten, als Heerführer einer Atomstreitmacht oder als einer, der alle strategischen roten Telefone und Knöpfe zu befehligen hat.

Er schickt seinen Sohn als Säugling, als abhängiges, kleines, nach Milch schreiendes und in Windeln gefülltes Bündel in einer abgelegenen Ecke der Welt.

Wir feiern Weihnachten, weil dieses Kind es geschafft hat, den damals und heute Mächtigen zu trotzen, den damals und heute Regierenden seine offenen Wunden und sein Herz hinzuhalten und zu sagen: "Ihr seid geliebt. Ich und mein Vater sind eins und Gottes die Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, ist stärker als alle Macht der Welt."

Und dieses Weihnachten, dieses Erinnern und Feiern an das Geschehen vor mehr als 2000 Jahren, wird auch gefeiert ohne Strom und Wasser, in Kälte und Dunkelheit, in Flüchtlingslagern und Gefängnissen, in einsamen Hochhauswohnungen und auf den Schiffen, in den dunklen Nächten auf stürmischer See.

Gott macht sich auf den Weg zu uns. Und wir? Es geht in den nächsten Wochen ums Warten und Erwarten, ums Hoffen und Vorfreuen. 

(DR)