In der Krankheit entwickelte Sama intensives Gebetsleben
Betende Schwester

14.10.2021 - 06:00

Morgenimpuls mit Schwester Katharina Ein großes Fest der Gnadengaben Gottes

Neun Schwestern aus Schwester Katharinas Ordensgemeinschaft feiern hohe Jubiläen. Deswegen reflektiert sie in ihrem Morgenimpuls, was es braucht, um so lange der Lebensform einer Ordensschwester treu zu bleiben und die Freude am Leben beizubehalten.

Heute ist in unserer Ordensgemeinschaft ein großes Fest. Wir machen uns nachher auf in unser Schwestern-Altenheim, um die hohen Ordensjubiläen von neun Schwestern zu feiern. Sie sind zwischen 60, 65 und 70 Jahren im Kloster und das ergibt eine geballte Ladung von 580 Ordensjahren im Dienst an den Menschen und somit im Dienst vor Gott. Als junge Frauen eingetreten, haben sie das Ordensleben gelernt und mitschwesterlich franziskanisch zu leben, zu beten und zu arbeiten. Sie waren Krankenschwestern, Köchinnen, Verwaltungsfachleute und Erzieherinnen. Und sie waren diejenigen, die für die Mitmenschen, die Kinder, die Kranken, die Alten und Bedürftigen das freundliche Antlitz Gottes vermittelt haben.

Heute sind sie alt, manche hoch in den Neunzigern und tragen miteinander im Altenheim die Last des Altwerdens, der Gebrechlichkeit und der Krankheit. Aber: Sie haben sich die Freude an den liebenswerten Dingen des Lebens bewahrt. Sie stricken oder pflegen Blumen, sie schauen gern Fußball und machen Bundesliga Tippspiele mit. Sie spielen miteinander und gehen im Park spazieren. Sie genießen die Feste und Feiern und nehmen das tägliche Gebet und die Gottesdienste als ihren Auftrag sehr ernst. Wenn man mit Menschen spricht, die so alt in ihrer Lebensform geworden sind, habe ich immer den Eindruck: Das ist die eigentliche Geschichte eines Landes, einer Ordensgemeinschaft, einer Kirche als Ganzes. Die meisten von ihnen hatten ein hartes Leben, da sie als Kinder und Jugendliche den Zweiten Weltkrieg und die schwierigen Nachkriegsjahre erlebt haben. Sie gehörten, wie alle Menschen dieser Generationen, zu den Erbauern unseres Landes, unserer Kirche und unserer Gemeinschaft. Und die meisten von ihnen haben ein gütiges, freundliches Gesicht, oft mit einem Lächeln und einem gütigen Schmunzeln. 

Die alten Mitschwestern haben unsere Achtung und Ehrfurcht mehr als verdient, weil sie ihren Weg, den sie einmal begonnen haben, in Treue und Zuversicht, in guten und bösen Tagen gegangen sind und mit einer großen Portion Gottvertrauen, Glauben, Hoffnung und Liebe auch weitergehen. Beim 70-Jährigen spricht man ja vom Gnadenjubiläum oder bei den Eheleuten von der Gnadenhochzeit. Alle Gnaden und Gaben kommen von Gott. Und so gilt aller Dank an diesem Tag im Gottesdienst, beim Sektempfang, beim gemeinsamen Essen und Beten, diesem guten Geber aller Gaben.

(DR)