Fühlt sich in Kirchen daheim: Willibert Pauels
Fühlt sich in Kirchen daheim: Willibert Pauels

11.02.2018 - 17:00

Willibert Pauels Es darf gelacht werden

An Karnevalssonntag ist der Karnevalsprofi von DOMRADIO.DE unser Gast in der Sendung Menschen: Willibert Pauels. Und natürlich bringt Willibert Witze mit.

Tja, Witze bringt Willibert wirklich in die Sendung mit. Aber leider bin ich, wie eine Kollegin über mich sagt, nicht lustig. Oder, wie mein Sohn es ausdrückt: Mutter, Du bist eine Ironie-Legasthenikerin. Armer Willibert, mit einer  Ironie-Legasthenikerin als Moderatorin in der Karnevalssendung! Aber zum Glück ist Willibert ein Vollprofi - und macht einen Running Gag daraus.

Der Zauber der Bühne

Beim Besuch der Kinderoper "Hänsel und Gretel" erlag der kleine Willibert dem Zauber der Bühne  - und suchte sie Bühne fortan selbst. Weil er begabt war, den Klassenclown gab und sich auch lange Texte leicht merken konnte, stand er bald auf der Bühne. Und in der Bütt. In der Karnevalsbütt im Pfarrheim. Dabei wäre es vielleicht geblieben - hätte es nicht einen Auftritt in einer Livesendung von der Funkausstellung mit Hans Meiser gegeben.

Im Publikum saß Dieter Steudter, einer der ganz Großen im Kölner Karneval. Er organisierte ein Vorsprechen  und bald stand  Willibert Pauels auf den ganz großen Bühnen. Zwei- bis dreihundert Auftritte in der Session - "dafür brauchte ich drei Fahrer, um das alles zu schaffen." Was nach außen glänzte, war harte Arbeit.  Nie wollte Willibert Pauels wissen, was an einem Abend alles auf ihn wartete, immer erfuhr er auf dem Weg zum nächsten Termin erst, was anstand: „Damit ich die Nacht vorher gut schlafen konnte.“

Der traurige Absturz eines großen Karnevalisten

Aber dann kam das Jahr 2012. Der Auftritt bei der Prinzenproklamation "ging so richtig in die Hose." Und schon stand am nächsten Tag im Boulevardblatt: "Der traurige Absturz eines großen Karnevalisten". Nach der Session konnte Willibert Pauels sich trotz Urlaub nicht erholen.  Das, was er den "schwarzen Hund" nennt, hatte ihn gefangen: "Der schwarzer Hund – war immer schon da in meinem Leben. Schon als ich ein Kind war. Er kam immer in Schüben und mit  Angst, Panik und Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit. Das schlimmste war, sich über nichts freuen zu können. " Jetzt ließ sich der schwarze Hund nicht mehr zähmen, Willibert Pauels nahm professionelle Hilfe in Anspruch. Und spricht darüber, weil: "5,3 Millionen Menschen unter einer Depression in Deutschland leiden. Aber die meisten gehen nicht zum Arzt. Aber alleine kommt man da nicht raus. Das schlimmste ist, dass du meinst: das hört nie auf. Deswegen: nehmen Menschen sich das Leben. Weil sie denken: der Tod ist besser, als dieser Schrecken ohne Ende. " Eindringlich appelliert Willibert Pauels deswegen: "deshalb müssen Sie die Energie aufbringen und sich  in professionelle  Hände begeben."

Statt: Highway to hell, highway to heaven… 

Die gute Nachricht:  „Wenn man sich helfen lässt, kommt man da raus. Das kann man trainieren. Man kann üben, die Perspektive zu wechseln. Mein Arzt hat gesagt:  Statt Highway to hell, üben wir jetzt highway to heaven. " Das bedeute zu üben, " darüber, über den Dingen zu stehen. Und das zu verfestigen."   Wie sehr die neue Perspektive gefestigt ist: dieses Jahr hätte Willibert bei der ARD Fernsehsitzung auftreten können. Mit 14 Millionen Zuschauern, die ganz, ganz große Bühne. Aber: "Ich wollte nicht. Und ich bin froh darüber"

Am Ende: ein Witz. War ja klar, dass ich den nicht verstehe. Aber darüber haben wir dann gelacht, viel gelacht.

Moderation: Angela Krumpen
(DR)