Yassir Eric beim Militär
Yassir Eric beim Militär
Yassir Eric im Sudan
Yassir Eric im Sudan

04.02.2018 - 17:00

Yassir Eric Vom Islamisten zum Brückenbauer

Was für eine Geschichte: Ein junger Islamist erschlägt im Sudan einen Christen und preist Allah. Heute lebt derselbe als evangelischer Pastor in Deutschland. Wie geht denn so etwas?

Ich gestehe, ich war misstrauisch. Aber dann habe ich das Buch "Hass gelernt, Liebe erfahren. Vom Islamisten zum Brückenbauer" gelesen - und wollte die  Geschichte von Yassir Eric unbedingt von ihm selbst hören. Der evangelische Pastor ist viel unterwegs, im Nahen Osten und in Deutschland. Schließlich kann ich ihn, auf halber Strecke zwischen Köln und Korntal, in Würzburg treffen.

Zacharia soll sterben

Als die Morgenröte die Wüstennacht beendete, "war ich sehr stolz und dankte Allah". Yassir Eric, damals 19-jährig, ist stolz, weil er gerade einen Klassenkameraden, Zacharia, erschlagen hat. "Er war ein Ungläubiger. Ich habe ihn von Herzen gehasst." Zu diesem Hass auf Ungläubige war Yassir Eric, der ersehnte erste Sohn einer islamistischen Familie im Sudan, erzogen worden: "Ungläubige und Fremde wurden unter uns nicht toleriert."

Der Tag, an dem meine Kindheit zu Ende war

Yassir war acht, als ihn der Vater hunderte Kilometer weit weg in eine Koranschule brachte. Ohne ein Wort der Erklärung musste er bleiben: "Das war der Tag, an dem meine Kindheit zu Ende war. Der ganze Hass gegenüber Menschen, die nicht so glauben, wie wir. Alles, was schön war an mir, wurde durch Schreckliches ersetzt, durch Hass und Intoleranz." 

Der geliebte Onkel und ein Wunder

Mit zehn kam er zurück aus der Koranschule. Aber jetzt als Teil der Männergesellschaft. Sein Onkel ist Chef des Geheimdienstes und verfolgt Christen. Aber "dann wurde er selber Christ. Das war ein Schock." Der Onkel wird von der Familie verstoßen, kommt ins Gefängnis. Und dann wird auch noch sein kleiner Sohn sterbenskrank.  

Ich war so ignorant

Yassir Eric geht den Cousin im Krankenhaus besuchen. Dort findet er christliche Kopten, die für den kleinen Cousin beten. "Ich war so ignorant! Sie haben mit einer solchen Liebe gebetet. Das hat mich tief bewegt. Und in diesem Moment hat Gott auch meine Augen für etwas Größeres geöffnet. Dafür, dass Gott nur Menschen kennt, nicht Gläubige und Ungläubige."

49 Tage Dunkelhaft

Jetzt folgt Yassir Eric seinem Onkel, wird selber Christ. Seine Familie verstößt auch ihn, er muss ins Gefängnis. "Das waren die schlimmsten Tage meines Lebens, ich hörte die Schreie der Gefolterten. Den Geruch von toten Menschen rieche ich bis heute."

Über Kenia nach Deutschland"

Als er entlassen wird, flieht Yassir Eric nach Kenia. Eine deutsche Entwicklungshelferfamilie nimmt ihn auf. Später verliebt er sich in eine deutsche Entwicklungshelferin. In Deutschland heiraten sie, gründen eine Familie. Yassir Eric studiert, wird evangelischer Pastor, gründet eine Hilfsorganisation und klärt über den militanten Islam auf. Auf einer Tagung im Nahen Osten kommt ein fremder Mann. Fragt:

Erkennst du mich nicht?

Der Fremde war Zacharia. Blind und behindert hatte er, was keiner dachte, damals in der Wüste überlebt. "Er zeigte mir seine Bibel. Dort stand auf der ersten Seite mein Name. Jeden Tag hatte er für mich, seinen Beinahemörder, gebetet. Hass mit Hass zu begegnen, das ist menschlich. Aber Hass mit Liebe zu begegnen, das ist großartig." 

Moderation: Angela Krumpen