25.09.2011 - 09:52

Der, der sein Leben erst erfinden musste. Und das gleich zweimal. Hanns-Josef Ortheil

Die ersten Jahre seines Lebens klingen so, als hätte ein Romanautor sehr dick aufgetragen: Hanns-Josef Ortheil wurde als fünfter Sohn seiner Eltern geboren. Aber er ist der einzige, der lebt. Der zweite Bruder starb, als die Amerikaner in den Heimatort der Eltern einmarschierten, also in dem Moment, in dem der Krieg vorbei sein sollte. Der Kummer ließ seine Mutter verstummen. Und so wuchs der, 1951 in Köln geborene, Hanns-Josef mit einer stummen Mutter auf und hat sieben Jahre selbst nicht gesprochen. Das Blatt wendete sich erst, als das Kind in die Sonderschule kommen sollte: Der Vater nahm den Sohn aus der Schule, zog zu Verwandten aufs Land und brachte ihm hier zugleich sprechen und lesen bei.

Das Kind war sehr begabt für Musik, lernte Klavier, und wollte Pianist werden. Doch auf dem Weg zum Konzertpianisten, mit Anfang zwanzig, zwang ihn eine Erkrankung, diesen Traum zu begraben. Der ganze Lebensplan zerstört, kellnerte er verzweifelt und perspektivlos in Biergärten. Noch einmal musste Hanns Josef Ortheil sein Leben neu erfinden: den Anstoß gab ein ehemaliger Deutschlehrer, der ihn aufrüttelte und an sein literarisches Talent erinnerte. Ortheil studierte, u.a. Literatur- und Musikwissenschaften. Und begann zu schreiben. 1979 veröffentlichte er sein gefeiertes Debüt. Seitdem hat er nicht mehr damit aufgehört. Die Zeit schrieb: "Hanns-Josef Ortheil schreibt glücklich Buch nach Buch. Er feilt an seiner Rolle als Kunst- und Liebesbeschwörer." Der Bestsellerautor hat gerade "Liebesnähe" veröffentlicht - wir reden also sicher über Liebe. Und Romane. Und Glück.