11.03.2017 - 09:50

Viola tricolor - das Stiefmütterchen Schön, bescheiden, hilfreich

So ein bisschen verzweifelt ist man ja als Gärtner im März. Trotz aller Aufbruchstimmung und trotz aller Verführungskünste der Gärtnereien, setzt einem der noch mögliche Frost doch Grenzen bei der Bepflanzung von Blumenkübeln und Blumenbeeten. Da hilft eine zarte Blume: das Stiefmütterchen.

„Weder die Pracht der Rose noch der Lilie kann die duftenden Veilchen übertreffen in Gestalt, Geruch und Wirkungsmacht. Ihre Tugend wird als kühlend und befeuchtend im ersten Grad eingestuft. Der getrunken hat und nun am Rausche leidet (…) braucht nur an ihnen zu riechen oder sein Haupt mit ihnen zu bekränzen.“

Das schrieb der Mönch Odo Magdunensis in seinem Standwerk der Heilkunde im 11. Jahrhundert über das Stiefmütterchen. Das kleine Veilchen mit seinen vielen Arten zählte im Mittelalter zu den großen Arzneipflanzen. Und es wird heute noch angewendet bei Hauterkrankungen wie Ekzeme und Akne.

Viola tricolor eine der Stammmütter

Das wilde Stiefmütterchen Viola tricolor ist dabei eine Urform, eine der Stammmütter des heutigen Gartenstiefmütterchens. Zart und bescheiden und genügsam kommt es daher. Dreifarbig sind die Blüten und sie haben eine ganz besondere Form und Anordnung. Und dieser Anordnung verdankt das Stiefmütterchen im Volksglauben seinen Namen.

Fünf Blütenblätter hat jede Blüte. Das unterste breite und stark gefärbte Blütenblatt ist die Stiefmutter. Die zwei Blütenblätter links und rechts von ihr sind ihre richtigen Töchter. Die beiden oberen Blätter, meist violett, sind die Stieftöchter. Die wilden Stiefmütterchen haben drei Farben in einer Blüte, daher auch der Name Dreifaltigkeitskraut.

Reich an Symbolik

So bescheiden das Stiefmütterchen ist, so reich ist es beladen mit Symbolik. Schon die Römer huldigten Jupiter mit dem Stiefmütterchen, automatisch übernahmen die Christen die Blume, schon der Purpurfarben wegen. Die fünf Blüten stehen für die Wunden Christi am Kreuz, die Dreifarbigkeit, die tricolor, ist ein Symbol der Dreifaltigkeit und des Dreifaltigkeitsfestes.

Bis dahin ist es noch was hin. Aber gerade in diesen so unberechenbaren Wochen des Vorfrühlings ist das Stiefmütterchen ein Symbol für Beständigkeit und Durchhaltevermögen. Es ist jetzt die ideale Bepflanzung für die Blumenkästen, um die man sich dann bis in den Sommer hinein gar nicht zu kümmern braucht.

Purpurfarben durch Armors Pfeil

Und: das Stiefmütterchen hat auch etwas mit den erwachenden Frühlingsgefühlen zu tun. Denn purpurfarben ist das Stiefmütterchen eigentlich erst durch den Pfeil des Amors geworden:

„Mädchen nennen's «Lieb' im Müßiggang» (...)
Ihr Saft, geträufelt auf entschlafne Wimpern,
Macht Mann und Weib in jede Kreatur,
Die sie zunächst erblicken, toll vergafft.“

..dichtete Shakespeare im „Sommernachtstraum“. Dort wirkt der Saft der Viola tricolor so gut, dass die Königin der Elfen, Titania, als sie die Augen aufschlägt sich tatsächlich in die nächste Kreatur verliebt, die gerade vorbeikommt. Die aber ist nicht Oberon, sondern ein Esel.
Also besser Augen auf, wenn man das Stiefmütterchen anwendet – dann kann man seine Blüten auch gleich mit allen Sinnen genießen.

(St.Q.)