Rosenblüte
Rosen im eigenen Paradies

04.03.2017 - 09:50

Gelassen in den Frühling starten Mein Garten und ich

Der Frühling rückt schon etwas näher. Gut so, denn die Gartenfreunde werden langsam unruhiger, die sprudelnden Ideen für Beete wollen umgesetzt werden. Jeder hat sein ganz persönliches Gartenparadies vor Augen. Aber was wenn der Garten sich nicht fügt?

Wenn es warm wird und alles wächst und sprießt, dann wächst und blüht es genau nicht so wie ich es will. Der Blütenteppich entspricht genau nicht meinen Farbvorstellungen. Dazwischen wächst so was Fieses wie der Giersch, die Schnecken beginnen ihren Triumphzug, und der Spätfrost ruiniert schon im Frühjahr die herbstliche Apfelernte.

Manch alter Hase stand schon frustriert vor seinem Stückchen Land und fragte sich: Warum gibt es eigentlich keine Therapeuten für den Gärtner? Genau da hilft ein Blick über den Gartenzaun. Dorthin wo das "Coaching" populär ist, wo man sich Berater und Trainer leistet. Ein Blick zum Beispiel in das Buch "Die Kunst zusammenzuarbeiten". Den Autoren, den Unternehmensberatern Fendel und Partner, geht es bei ihren Ratschlägen natürlich nicht um die Optimierung der Erträge von Äpfeln und Birnen. Aber es stehen doch erstaunlich viele Dinge darin, die auch für den Gärtner nützlich sein können, wenn er den "Paradiesfaktor" seines Gartens erhöhen möchte.

Die Gleichung mit der Unbekannten

Zum Beispiel die Feststellung, dass jedes Ding drei Seiten hat: Unsere eigene, die des Gegenübers und eine, die noch keiner von uns kennt. Und es braucht laut Fendel genau diese dritte Seite, damit alles sich optimal entwickeln, wachsen und gedeihen kann. Es ist also richtig, Pflanzen standortgerecht zu setzen. Und es macht Sinn, sich auch ein ästhetisches Konzept zu überlegen. Aber Gärtnern ist eben auch eine Art Gleichung mit der Unbekannten, der dritten Seite.

Diese Unbekannte ist also nicht die lauernde Gefahr, der Feind im Garten, sondern – wenn wir Coach Fendel weiter folgen – diese Unbekannte ist besonders wertvoll, weil es aus der Konfrontation der Zweierbeziehung – also Gärtner contra Garten – in die Kommunikation führt. Will heißen: Wenn wir zuhören, unsere Wahrnehmung schärfen und die Zeichen der Natur lesen lernen, kann auch aus schwierigen Situationen etwas Gutes wachsen. Aus der Frage "Wer siegt?" wird Freundschaft!

"Halb aus dem Unterbewussten gestalten"

Das Machtgerangel zwischen Gärtner und Garten wandelt sich in ein Fest mit Gastgeber und Gast. Der Gärtner bestimmt den Rahmen, in dem sich die Gäste der Natur bewegen. Mit Komposterde und Unkrautharke nährt und schützt er sie. Und gelegentlich setzt er auch mal einen um, damit sich alle Gäste wohlfühlen.

Um auch noch einen anerkannten Profi-Gärtner als Coach für die Frühjahrsplanung im Garten zu Wort kommen zu lassen, sei noch Karl Förster zitiert. Die feinsten Dinge, so hat er geschrieben, werden halb aus dem Unterbewusstsein gewagt und gestaltet. Demnach trifft also das Unterbewusste des Gärtners auf die unbekannte, die überraschende Seite des Gartens.
Vielleicht entstehen so ja die schönsten Paradiesgärten. Und wer das dann zulässt, kann gelassen in den Frühling starten, denn das Schöpferische, so Förster, ist „immer eins mit dem der Entkrampfung“.

(Claudia Vogelsang / St.Q.)