Die gesunde Wirkung der Zwiebel
Die gesunde Wirkung der Zwiebel

13.05.2017 - 07:20

Die Zwiebel beißt und heilt Kraftvoll zubeißen?

Die alten Römer haben sie sich gegriffen und herzhaft hineingebissen, in die Zwiebel, so wie unsereiner heute in den Apfel beißt. Bei der Zwiebel sind wir – Veggie-Trend hin oder her – deutlich zurückhaltender, verzehren sie aber trotzdem in Mengen.

Sicher ist, dass die Zwiebel wie der Apfel sehr viele gesunde Inhaltsstoffe hat. So viele, dass sie, die Küchenzwiebel, lateinisch "Allium cepa", zur Heilpflanze des Jahres 2015 gewählt wurde. Ihre Wirkstoffe senken Blutdruck, Blutfett und Blutzucker. Sie wirkt antibakteriell und schmerzlindernd. Sogar gerinnungshemmende und antiasthmatische Eigenschaften wurden nachgewiesen. Äußerlich hilft eine frisch aufgeschnittene Zwiebel als Hausmittel bei einem akuten Insektenstich, Sirup aus Zwiebeln lindert den Husten.

Wegbegleiter ins Jenseits

Grundsätzlich neu ist das Wissen um die Heilkraft der Zwiebel nicht: In der mittelalterlichen Medizin kam sie gegen Pest, Cholera und Skorbut zum Einsatz. Und schon die Bauarbeiter der ägyptischen Pyramiden haben vor 3000 Jahren Zwiebeln in großen Mengen verzehrt. Ja, die Zwiebel war sogar das Zahlungsmittel für ihre Arbeit. Sie galt als kraftfördernd und deshalb hatte auch Tutanchamun für seine Reise ins Jenseits ein paar Zwiebeln als Wegzehrung mit dabei.

Eine über 4000 Jahre alte sumerische Keilschrift enthält Anweisungen zum Anbau von Gurken- und Zwiebelfeldern und im Codex Hammurapi wurden Brot- und Zwiebelzuteilungen für die Armen festgelegt.
Auch heute finden sich eigentlich in jedem Gemüsegarten ein paar Zwiebeln. Besonders gut gedeihen sie in sandigem Lehm oder Lößboden und als Kinder des Südens mögen sie eine sonnige, warme Lage.

Zweimal ernten

Ein bisschen Diva ist die Küchenzwiebel aber auch: der Boden sollte feinkrümelig und nicht gerade frisch umgegraben sein. Unverrottete Dungstoffe und zuviel Stickstoff führen zu schlechtem Abreifen. Außerdem produziert sie dann zu viel Laub und zu wenig Zwiebeln. Aber man kann zweimal im Jahr Zwiebeln anbauen und ernten:

Die Sommerzwiebeln werden im zeitigen Frühjahr gesteckt und können von August bis Oktober geerntet werden. Gerade die späten Sorten sind von fester Konsistenz und bleiben bis zum März des Folgejahres lagerfähig. Die etwas saftigeren und milderen Winterzwiebeln werden im August gesät, reifen im nächsten Frühjahr heran und können ab Juli geerntet – und am besten direkt verzehrt werden. Sie sind nur kurzzeitig lagerfähig.

Neben der gewöhnlichen Küchenzwiebel gibt es noch andere Zwiebeln für die Küche, so die ausdauernde Winterheckenzwiebel oder die sibirische Luftzwiebel, die praktischerweise ihre neuen Zwiebeln an der Spitze der Blätter bildet.

Goethe war ein Fan der Zwiebel

Ob eine solche Rarität oder gewöhnliche Küchenzwiebel, Schalotte oder Perlzwiebel – eines haben alle Zwiebeln gemeinsam: Sobald die Zwiebel verletzt wird, entsteht aus den unterschiedlichen ätherischen Ölen der einzelnen Schichten ein Cocktail, der jedem das Wasser in die Augen treibt. Aber das sind eben auch die Stoffe, die die Zwiebel für uns so gesund macht.
Übrigens: auch Goethe war ein Fan der Zwiebel. Wenn in Weimar Zwiebelmarkt war, geriet er in einen wahren Kaufrausch und hing die Zwiebeln an seinem Fenster auf. Und sicher hat er auch herzhaft hineingebissen – so alt wie er geworden ist.

(Claudia Vogelsang)

Ausführliche Infos zur Zwiebel als Heilpflanze des Jahres

Der Zwiebelmarkt in Weimar ist noch heute beliebt wie zu Goethes Zeiten, er findet traditionell am 2. Oktoberwochenende statt

(dr)