27.02.2016 - 07:10

Kümmel Für alle Fälle

Kümmel hilft. Aber man muss ihn mögen. Sein Aroma dominiert leicht jedes Gericht, doch nach jeder Völlerei sorgt er mit starker Hand für Ordnung und Ruhe...

Die helfenden, heilenden Eigenschaften des Kümmels hat die Menschheit immer schon geschätzt, er gehört zu den ältesten Gewürzen der Welt. Seinen Samen haben Archäologen schon in europäischen Wohnstätten der Jungsteinzeit gefunden. Vom alten Ägypten über das antike Rom und Griechenland bis zu den Nachfahren der Wikinger ist Carum carvi, der Wiesenkümmel, unverzichtbare Zutat der Kochkultur gewesen. Auch wenn er jeweils auf sehr verschiedenen Pfaden seinen Weg auf Teller und in Tassen und Gläser fand.

In Skandinavien zum Beispiel bevorzugt man bis heute Kümmel in der hochprozentigen Form von Aquavit. Wärmend, aber nicht unbedingt gesundheitsfördernd. Denn chronischer Alkoholmissbrauch ist in dem Fall doppelt schädlich, weil Kümmelöl selbst giftig für die Leber sein kann.

Kümmel ist äußerlich und innerlich ein Segen

Äußerlich angewandt dagegen kann das gleiche Öl zum Segen werden: Ein paar Tropfen auf das von Blähungen und Krämpfen geplagte Babybäuchlein, ein paar sanft kreisende Bewegungen und alles wird gut. Und vor allem ruhig. Das Kind schläft ein und nicht selten die Eltern gleich mit. Vielleicht liegt es ja an der derzeit steigenden Babyquote, dass die Jury den Kümmel 2016 zur Arzneipflanze des Jahres wählte, um rundum auf dessen segensreiche Eigenschaften aufmerksam zu machen.

Kümmel hat tatsächlich beachtliche blähungswidrige und krampflösende Eigenschaften. Hauptwirkstoffe sind dabei ätherische Öle. Allen voran das Carvon. Sein Anteil kann bei bis zu 50 Prozent ausmachen. Medizinisch wirksam ist Kümmel nicht nur bei Verdauungsstörungen und Völlegefühl. Auch Krämpfe im Magen-, Darm- und Gallenbereich lösen sich. Sogar bei nervös bedingten Herz-Magen-Beschwerden kann Kümmel helfen. Außerdem ist Carvon der Geruchs- und Geschmacksträger, weshalb es – in entsprechender Verdünnung – auch in Kosmetika und sogar Parfum zum Einsatz kommt.

Kümmel als Gewürzpflanze im eigenen Garten

Heute sorgt das alte Küchenkraut in Mundwasser und Zahncremes für frischen Atem. Früher haben die Leute dafür direkt ein paar Kümmelsamen gekaut, bevor sie ihre Liebsten küssten. Dabei war es durchaus angeraten, die Samen des Wiesen-Kümmels besser im Bauerngarten als von der wilden Wiese zu pflücken. Denn Blüten und Fruchtstand des hochgiftigen Schierlings sehen dem harmlosen Kümmelkräutlein zum Verwechseln ähnlich.

Im heimischen Garten kann man die Lichtkeimer im März direkt ins Beet säen. Am besten als Untersaat. Zum Beispiel unter Erbsen. Denn der Kümmel ist zweijährig.

Im ersten Jahr bereichern die Blätter mit ihrem petersilienähnlichen Aroma Salate. Im zweiten Jahr bilden sich dann Blüte und Frucht. Von Juni bis August lassen sich die kleinen, sichelförmigen Samen ernten.

Entweder oder: Kümmel wird geliebt oder gehasst

Soweit so gut. Wenn der Kümmel dann aber in der Küche landet, darf man nicht vergessen: Kümmel wird geliebt – oder gehasst! Sein einzigartiges Aroma verlangt nach einem klaren Statement: Entweder – Oder. Es gibt kein Und, keinen Kompromiss. Keinen? Doch! In der englischen Küche der Tudorzeit. Das Rezept: Kümmel mit Früchten, Kümmel in süßen Teigwaren und sogar in zuckerreicher Konfitüre.

Die Einladung zu Bratäpfeln mit Kümmel hat sogar Eingang in die Weltliteratur gefunden. In Shakespeares Heinrich der Vierte lädt dieser seinen den Fressorgien stets zugewandten Freund Fallstaff zur süßen Kümmel-Völlerei ein. Überall und zu jeder Zeit freute man sich, dass Kümmel half, die bösen Folgen eines genussreichen Lebensstils zu mildern. Aber was die Kombination von Bratäpfeln mit Kümmel angeht, befindet sich England damit bis heute in „Splendid Isolation“. Auf Chefkoch.de findet sich nicht ein Rezept mit dieser Kombination. Da bleibt es also doch beim Lieben oder Hassen.  (Claudia Vogelsang)

mehr interessante Informationen rund um den Kümmel unter Kräuterweisheiten.de
Dort auch das beste aller Kümmelrezepte für die ganze Familie: KüKaLeiWa (Kümmel, Kartoffel, Leinsamen, Wasser aufkochen, abseihen, trinken) - muss man nicht mögen, aber hilft.