Rhabarberpracht
Rhabarberpracht

18.06.2016 - 09:50

Finissage beim Rhabarber Marmelade oder Eis?

Bald ist Johannis, ein wichtiges Datum im Nutzgarten. Denn dann ist Ernteschluss für den Spargel und auch für den Rhabarber. Ihn jetzt noch zu ernten lohnt, denn auch im Marmeladenglas macht er sich prächtig.

Die Pflanze, über die wir hier im Landfunk heute aus terminlichen Gründen reden, gibt es eigentlich gar nicht, bzw. sie ist schlecht zuzuordnen. Wir füllen sie in Marmeladengläser und streichen sie auf das Kuchenblech – aber sie ist kein Obst. Die Wurzeln, Blätter und Früchte sind nicht zum Verzehr geeignet – und trotzdem zählt sie im Nutzgarten zum „Gemüse“. So etwas gibt es und heißt: Rhabarber. Ziemlich bekannt ist er, steht hierzulande in fast jedem Gemüsegarten oder eben im Obstgarten. Allerdings erst seit knapp 200 Jahren.

Heimat ist der Himalaya

Die Chinesen nutzten den Rhabarber schon vor 4000 Jahren als Heilkraut zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden. Ursprungsort ist der Himalaja. Seit dem 16. Jahrhundert genießen die Russen „Rheum rhabarbarum“, also die „fremde Wurzel“, als Speise. Von Russland gelangte der Rhabarber im 18. Jahrhundert dann in den Westen Europas. 1753 ist vom Rhabarber in England die Rede, knapp 100 Jahre später wird er erstmals in Deutschland angebaut.

Heute gibt es bei uns mehr als 25 Sorten. Im Frühjahr bildet der Rhabarber seine Knospen unterirdisch, das hat er wohl in seiner kalten Heimat gelernt. Und auch für die Blütenbildung braucht er einen Kältereiz. Vernalisation heißt das im Fachjargon. Für eine Dauer von zwölf bis 16 Wochen will der Rhabarber Temperaturen unter zehn Grad Celsius. Sonst blüht er nicht.

Allerdings: die aufragende Blüte ist für die Ernte gar nicht erwünscht, manch ein Gärtner rupft sie aus. Gebraucht wird der einzig essbare Pflanzenteil vom Rhabarber, der Stil. Und dafür wird es jetzt höchste Zeit.

Geschält ist der Rhabarber nicht so sauer

Am 24. Juni, am Johannistag ist gemeinhin Schluss mit der Ernte. Die Pflanzen sollen geschont werden. Und je älter der Rhabarber übers Jahr wird, desto mehr Oxalsäure steckt vor allem in der Schale der Stängel. Schälen hilft, aber für nieren- und gallenkranke Menschen und für Kinder ist allemal Vorsicht angeraten. Immerhin stecken in 100 Gramm frischem Rhabarber im Schnitt 460 Milligramm Oxalsäure.
Es ist also jetzt letzte Gelegenheit, Rhabarber zu ernten und leckere süße Rezepte zu probieren. Wie wäre es zu dieser Rhabarber-Finissage mit einer Marmelade aus Rhabarber und Himbeeren?
Dazu 500 Gramm Himbeeren – nicht waschen! – mit der gleichen Menge geschältem und geschnittenem rotem Rhabarber sowie 250 Gramm Rohrzucker vorsichtig vermengen. Über Nacht zugedeckt kühl stellen und am nächsten Tag die Früchte mit Gelierzucker aufkochen und abfüllen wie andere Marmelade auch.

Und aus der Marmelade Eis

Und wenn es mal wieder sommerlich heiß wird, dann wäre unser Tipp ein erfrischendes Rhabarber-Joghurt-Eis:
1 Glas der Himbeer-Rhabarber-Marmelade, den Saft einer Biozitrone und 2 bis 3 Esslöffel Puderzucker glatt rühren. Die Masse in einen Eiswürfelbehälter füllen und einfrieren. Die gefrorenen Würfel mit einem Becher gekühltem Naturjoghurt im Standmixer cremig aufmixen.

Übrigens: in Joghurt steckt reichlich Calcium, der hilft also schon beim Eislutschen vorbeugend gegen die Oxalsäure. Und wem der Rhabarber auch dann noch zu sauer ist, kann ihn ja auch auf andere Art in den Mund nehmen, so wie Schauspieler, die so tun, als würden sie energisch sprechen, oder auch Ministranten am Altar, die in früherer Zeit die lateinischen Vokabeln oder den Rosenkranz nicht konnten: „Rhabarber, Rhabarber, Rhabarber, …“