Ceratostigma plumbaginoides - Chinesischer Bleiwurz
Ceratostigma plumbaginoides - Chinesischer Bleiwurz

24.10.2015 - 09:50

Die chinesische Bleiwurz Oktoberzauber

Ihr Name klingt wie ein Zauberspruch aus Harry Potter: Ceratostigma plumbaginoides. Und in der Tat haben die Blüten dieser Pflanze etwas ganz Seltenes, Zauberhaftes: Es sind kleine Sternchen in reinem, klaren Blau.

Gerade so blau wie ein wolkenloser Augusthimmel, der Monat, in dem die Ceratostigma plumbaginoides, die chinesische Bleiwurz anfängt zu blühen. Obwohl reines Blau bei Stauden wirklich selten ist, ist dieser kleine Bodendecker mit seinen Zauberkünsten noch lange nicht am Ende: Schon mit Beginn der Blüte färben sich einzelne Blattspitzen leuchtend dunkelrot. Rot wie der Wein im Herbst. Es hängt immer ein bisschen vom Wetter ab, wie schnell sich das Rot über das ganze Blatt verbreitet. Je früher die Nächte wirklich kalt werden, desto schneller kommt das Rot. Und im Oktober dürfen sich Gartenfreunde in jedem Fall an den leuchtendblauen Blütensternen freuen, eingebettet im Rot der eigenen Blätter.

Sommerliche Blüten, herbstliches Laub – eigentlich ein Widerspruch. Vielleicht liegt es ja daran, dass die Stauden-Bleiwurz ursprünglich aus China kommt, dass hier die Natur anstelle des rigiden westlichen „Entweder-Oder“ ein weich fließendes asiatisches „Und“ gesetzt hat: Das sommerlich-blaue Yin der Blüte getragen vom herbstlich-roten Yang des Laubs.

Verträgt auch Trockenheit

In der Natur finden wir die Chinesische Bleiwurz an sonnigen Waldhängen. Im Garten liebt sie durchlässige, kalkhaltige und eher nährstoffarme Böden in Sonne oder lichtem Schatten. Auch für Steingartenanlagen oder Trockenmauern ist sie gut geeignet. Und Trockenheit verträgt sie tatsächlich sehr gut. Die chinesische Bleiwurz ist nicht zuverlässig winterhart. Zumindest im ersten Winter ist eine leichte Abdeckung mit Reisig zu empfehlen.

Hat die kleine Staude erst einmal Fuß gefasst, ist mancher Gärtner überrascht über ihre Vitalität und Ausbreitungsfreude. Sie bildet einen dichten, 20 bis 30 Zentimeter hohen Laubteppich, treibt aber erst spät im Frühjahr aus. Damit ist die Bleiwurz ein guter Partner für Krokus, Tulpe und Co, die so Licht und Raum haben, sich gut zu entwickeln.

Stärkt das Selbstbewusstsein

Fröhlich führt uns die Bleiwurz dann in den Herbst. Das ist vorbildhaft, denn dem Menschen im Allgemeinen fehlt ja meist ein gesundes Selbstbewusstsein gegenüber dem Herbst mit seinen dunklen Stimmungen. Genau hier hilft der Bleiwurz. Zumindest gemäß der Bachblütentherapie:
Die Bleiwurz stärkt das Selbstbewusstsein, macht unabhängiger von der Meinung anderer. Wer sich selbst und seinen eigenen Entscheidungen misstraut, wer gern lieber spontan wäre statt zu gewissenhaft, wer immer alles richtig machen will, dem empfiehlt Edward Bach die Essenz aus Bleiwurz. Sie hilft, stärker der eigenen Intuition zu vertrauen.

Übrigens: die Frage warum die Bleiwurz Bleiwurz heißt führt nach Südafrika. Eine der nur acht Arten der Bleiwurze ist der Plumbago auriculata, der Kap-Bleiwurz, bei uns als „Plumbargo“ im Kübel beliebt. Keine Staude, sondern ein pflegeintensiver und frostempfindlicher Strauch, dessen Presssaft eine blaugraue, also bleiartige Farbe hat und in Südafrika für Tätowierungen verwendet wird.

Egal ob chinesischer oder südafrikanischer Bleiwurz – bei uns setzen sie noch im Oktober sommerliche Akzente. Oder wie Karl Förster 1922 schrieb: „Das sommerliche Blühen mit freudigen Farben dringt immer reicher in den Herbst hinein.“

(Claudia Vogelsang)