Christrose im Dezember
Christrose im Dezember

24.12.2016 - 09:50

Helleborus niger - die Christrose Dezemberpracht

Schwarze Wurzeln, weiße Blüte – wir müssen an diesem Wochenende im Landfunk natürlich über die Christrose plaudern.

Jetzt gerade in diesen Tagen öffnet die Christrose ihre weißen Blüten, in der allerdunkelsten Jahreszeit und pünktlich zu Weihnachten. Frost kann sie gut ab, denn sie ist vor allem in den Alpen heimisch, bei uns daheim nur im Garten. Die Christrose oder Weihnachtsrose oder Schneerose, steht unter Naturschutz, geschätzt haben sie die Menschen seit der Antike. Aber das hat eher unterirdische Gründe.

Der lateinische Name der Christrose ist „Helloborus niger“. Niger heißt schwarz und damit ist die Wurzel der Christrose gemeint. Zu Pulver verarbeitet löst sie Niesreiz aus, daher auch der verbreitete deutsche Name „Schwarzer Nieswurz“. Gern wird sie dem Schnupftabak beigemischt. Allerdings: die Helloborus Niger ist in allen Pflanzenteilen giftig, von den Wurzeln bis zu den Samen, vor allem  in den Wurzeln stecken Herzgifte wie das Helleborin.

Die dunkle, unterirdische Seite der Christrose machte sie für die Medizinmänner seit je her interessant.  Vor allem gegen den Wahnsinn sollte sie helfen. Auf jeden Fall aber half sie schon in der Antike, mit ihren Giften Kriege zu entscheiden. Heute nützt sie vielleicht  als Brech- und Abführmittel, die Schulmedizin hält sich die Christrose aber vom Leib.

Verehrt von Gärtnern und Dichtern

Umso größer ist die Verehrung der Gärtner, aus dem Weiß der Christrose ist längst eine ganz Farbpalette geworden von Rosa über Grün bis ins dunkle Lila. Genügsam ist sie, steht gern im Halbschatten und mag kalkhaltigen Boden. Wer sie jetzt im Topf gekauft und drinnen stehen hat (möglichst kühl), sollte mit dem Auspflanzen aber bis März warten, rät die Landwirtschaftskammer Rheinland, die Christrose tut sich eh was schwer, im Garten seßhaft zu werden.

Und auch die Dichter haben die Christrose immer schon verehrt. Eduard Mörike schreibt ein langes Gedicht, als er die Christblume erstmals auf einem fremden Kirchhof entdeckt:

"Im nächtgen Hain, von Schneelicht überbreitet,
Wo fromm das Reh an dir vorüberweidet,
Bei der Kapelle, am kristallnen Teich,
Dort sucht ich deiner Heimat Zauberreich.
Schön bist du, Kind des Mondes, nicht der Sonne;
Dir wäre tödlich andrer Blumen Wonne,
Dich nährt, den keuschen Leib voll Reif und Duft,
Himmlischer Kälte balsamsüße Luft."

Wer zur Silvester wissen will, wie das Wetter im kommenden Jahr wird, der kann die Christrose als Orakel nutzen: zwölf Blüten zu Weihnachten in die Vase gestellt stehen für die zwölf Monate. Geöffnete Blüten in der Silvesternacht bedeuten dann gutes Wetter, geschlossene schlechtes. (St.Q.)