Mohnblüte
Mohnblüte

24.06.2017 - 09:50

Der Mohn - Ein leuchtender Sommerbote Vergänglich und wirkungsvoll

Kaum eine Pflanze entfaltet so viel Pracht, ist so verschwenderisch - und zugleich so wirkungsvoll. Der Mohn zieht sich als Droge durch die Menschheitsgeschichte, betört Verstand und Auge. Jetzt blüht der Mohn.

Im Juni da leutet es rot in Wiesen und Beeten.  Knallrot, knallorange - verschwenderisch geht der Mohn mit seinen Farben um.  Und genau der Mohn ist es, der den Beginn des Frühsommers markiert. Allerdings: in der Kulturgeschichte der Menschheit war er vor allem immer eins – eine Droge, Lieferant für Opium und Morphium, im besten Fall eine Medizin.

Gefährliches Opium

Es gibt rund 100 Arten von Mohn und alle enthalten in ihrem Milchsaft giftige Substanzen, die eine mindestens beruhigende Wirkung haben. Wirkungsvoll sind vor allem die Säfte des Schlafmohns, die man nach der Blüte aus den Samenkapseln tropfen und trocknen lässt, bis daraus eine dunkle Masse wird – diese Masse ist das Opium, aus dem auch Morphium und Heroin gewonnen werden.

Mohn faszinierte die Menschen schon immer. Die Sumerer nannten ihn eine Pflanze der Freude. Keilschriften, 6000 Jahre alt, beschreiben die medizinische Herstellung von Opium als Schmerz- und Schlafmittel, aber eben auch als Rauschmittel. Den Griechen und Römern war der Mohn heilig. Er wuchs im Garten der Hekate, der Göttin der Magie, aber auch geschützt von hohen Mauern. Aus gutem Grund, denn in späterer Zeit wurden ganze Kriege ums Opium geführt.

Einen völlig legalen Rausch bewirkt der Mohn in diesen Tagen des frühen Sommers im Garten. Legal deshalb, weil es seit 1984 in Deutschland erlaubt ist, den Mohn als Zierpflanze zu nutzen und den Samen frei zu verkaufen.

Genügsamer Klatschmohn

Am bekanntesten hierzulande ist der Klatschmohn mit seinen vier scharlachroten Blütenblättern. Mit dem Ackerbau hat sich der genügsame Klatschmohn weltweit verbreitet. Für den Garten gibt es zahlreiche Zuchtsorten mit gefüllten Blüten, die aber ebenso schnell verblühen. Den Samen des Mohns einfach im Garten verstreuen und abwarten. Fühlt sich der Mohn wohl, sät er sich fortan Jahr für Jahr selbst aus. Eine Ausnahme ist der tiefrote türkische Mohn, der mehrjährig ist und wie eine Staude gepflanzt wird.

Wenn die Mohnknospen sich in die Lüfte winden, muss man einfach nur zuschauen, wie die Kapseln langsam platzen, die geknautschten Blütenblätter hervorkriechen, um dann in nur zwei Tagen zu verblühen. Wochenlang trocknet der Mohnstengel dann langsam ab und irgendwann rieseln die unzähligen Mohnsamen aus der Kapsel heraus. Und diese Samen sind auch der Grund, warum zum Beispiel in Österreich der Mohnanbau ganz legal ist, denn ohne Mohn geht in der süßen Küche dort gar nichts. Ein Rezept von der Oma: Mohnsamen mit Grieß und Puddingpulver aufkochen, auf einem Hefeboden verteilen und mit Eiweiß bestreichen – einen besseren Mohnkuchen gibt es nicht.

So faszinierend der Mohn, der Genuss und Verderben bringen kann, so reich ist seine Symbolik. Für den Gärtner verdeutlicht er vor allem die Vergänglichkeit. Und für die sentimentalen Momente der Liebe im Frühling steht er allemal:

Hermann Löns: Mohnblumen
Mit roten Feldmohnblumen
Hatt’ ich dein Haar geschmückt,
Die roten Blumenblätter
Die sind nun alle zerdrückt.
Du bist zu mir gekommen
Beim Abendsonnenschein,
Und als die Nacht hereinbrach,
Da ließest du mich allein.
Ich höre die Stille rauschen
Und sehe die Dunkelheit sprühn,
Vor meinen träumenden Augen
Purpurne Mohnblumen blühn.