13.04.2013 - 09:50

Alte Datteln, frische Möhren Es geht der Sämann aus zu säen

Die Samentütchen für Salat und Radieschen, Möhren, Kohlrabi und Sommerblumen stehen bereit. Jetzt kann und muss die Gartenarbeit auf Touren kommen.

So ein bisschen skeptisch ist er ja noch immer der Gärtner: Soll tatsächlich jetzt nach all den Nachtfrösten die richtige Zeit sein für die Aussaat? Die Antwort lautet: ja. Denn die Pflanzensamen bergen in sich ihre ganz eigenen Klimaerfahrungen, sie können durchaus flexibel auf das aktuelle Wetter reagieren. Vor allem: sie bleiben über einen erheblichen Zeitraum hinweg keimfähig. Trockene tage können sie überdauern, sogar ein paar Jahrzehnte können sie überdauern. Und sogar, wenn auch selten, ein paar Jahrhunderte.

Die Dattel des Herodes

Der älteste, noch keimfähige Samen, stammt von einer Dattelpalme aus der Zeit um Christi Geburt. Erst vor wenigen Jahren haben israelische Forscher eine lebensfähige Pflanze daraus gezogen.  1.965 Jahre lag der Samen in irgendeiner Ecke der berühmten Festung Masada, die Herodes einst bauen ließ. Dann überstand er auch noch 40 Jahre in einer Schublade der archäologischen Sammlung. Und erst 2005, als ihm Sarah Sallon vom Forschungszentrum für Naturheilkunde in Jerusalem einen Blumentopf mit guter Erde und einen guten Schluck Wasser anbot, entschied sich der Kern zu keimen.

Langzeitkeimer Möhre

So lang müssen wir auf unser Gemüse zum Glück nicht warten. Aber auch unter heutigen Nutzpflanzen gibt es welche, die sich mehr Zeit lassen als andere. Möhren zum Beispiel. 3 – 4 Wochen brauchen die Sämlinge bis sie aufgehen. Damit sie in der Zwischenzeit nicht aus Versehen bei der Beetpflege wieder rausgehackt werden, lässt man hin und wieder ein paar Radieschensamen als Markierung mit in die Rille fallen. Die gehen auf wie der Blitz. Auch Zwiebeln eignen sich für diese Aufgabe. Alle 10-15 cm eine reicht, und sie halten dann sogar Möhrenschädlinge fern. Die Schädlinge können Zwiebeln nämlich nicht riechen, und praktischerweise geht es umgekehrt den Zwiebelschädlingen mit den Ausdünstungen der Möhre ähnlich. Also nur Mut mit den Möhren, mit Kälte kommen sie eh gut zurecht. Allerdings nicht mit stark wechselnder Bodenfeuchte.

Stehen die Möhren mal zu feucht, mal zu trocken, bekommen sie Risse. Und sie werden auch nur dann richtig groß, wenn sie genug Raum haben, sich zu entwickeln. 3 – 5 cm Abstand sollte zwischen den Sämlingen sein. Die übrigen werden ausgezupft. Wer gerne mehr als ein Mal ernten möchte, kann kleinere Mengen im Abstand von 2-3 Wochen aussäen oder zwischen verschiedenen frühen und späten Sorten wählen. Populär ist zurzeit die Sorte „Purple Haze F1“, eine violett-orange „Ur-Möhre“ mit orientalischen Vorfahren.

Rezept: Möhren-Dattel-Suppe

Sehr lecker schmeckt übrigens ein Süppchen, das beide alte Kulturpflanzen, Datteln als Früchte des Himmels und Möhren als Früchte der Erde aufs köstlichste vereint: Die Möhren-Datteln-Suppe mit Basilikum. Was sie brauchen: 1 Karotte, einen guten halben Liter Karottensaft, 2 Datteln, 1 kleine Avocado, indisches Butterfett Ghee [ɡiː], 8 Basilikumblätter, Gemüsebrühe, Zitronensaft, Sahne und als Gewürze Paprika und Chili.

Die Karotte grob reiben und mit 1 Esslöffel Zitronensaft mischen. Die Datteln entkernen und grob hacken. Die Avocado schälen, vom Kern befreien und ebenfalls grob hacken.
1 Esslöffel Ghee [ɡiː], in einem Topf erhitzen, Karotten, Datteln und Avocado dazugeben und 3 Minuten glasig dünsten. 600 ml Karottensaft dazu gießen, 1 Esslöffel Gemüsebrühe, 1 Teelöffel Paprika und 1 Prise Chili sowie die Basilikumblätter zugeben und die Suppe kurz aufkochen. Dann für 10 Minuten leicht köcheln lassen, 100 ml Sahne dazugießen und alles pürieren. Kurz umrühren, fertig.

Alte Sorten fürs Gemüsebeet

Das klingt und schmeckt auch ein wenig exotisch. Wer es lieber ganz regional will: Alte regionale Kultursorten sind wieder im Trend. Sie sind weit besser an das spezifische Klima und die besonderen Bodenverhältnisse einzelner Landstriche angepasst als die standardisierten Massenproduktionssorten nach EU-Richtlinien. Wer sich damit befassen will: der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V. hilft. Jeder interessierte Laie kann dort Samen bekommen. Mit im Paket liegt eine kurze Anleitung wie er die regional passende alte Sorte seines Lieblingsgemüses anbaut. Und vor allem: Wie er den Samen richtig erntet, bewahrt und weitergibt.

Übrigens: Auch beim besten Samen gehen nicht alle Keime auf. Das gehört zur Überlebensstrategie. Gerade dadurch trotzen die Pflanzen den Widrigkeiten der Witterung. Würden alle Samen gleichzeitig keimen, wäre die Population an diesem Standort ausgelöscht. Da wartet so mancher Samen doch lieber auf besseres Wetter – wie einst die Dattel vor fast 2000 Jahren.