26.04.2011 - 10:13

Nachrichtenarchiv 26.04.2011 10:13 Heiteres Frühlingsspektakel: "Der Barbier von Sevilla" im Theater Hagen

In Hagen ist ein Klassiker der komischen Oper zu sehen: Rossinis "Barbier von Sevilla", 1816 uraufgeführt. "Kenn ich", sagen Sie? Nein, das komische Spektakel, das in Hagen geboten wird, kennen Sie noch nicht und sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Der Graf Almaviva hat sich unsterblich in die junge Rosina verliebt. Das Problem: der alte Dr. Bartolo, Rosinas Vormund will sie nicht gehen lassen, im Gegenteil, er ist hinter ihrer Mitgift her.

So verschanzt er sich mit ihr in Sevilla. Aber Graf Almaviva macht sie natürlich ausfindig. Unter dem Balkon von Rosina singt er ihr gleich ein Ständchen. - Und mit dieser Szene beginnt Rossinis Oper "Der Barbier von Sevilla". In Hagen kommt er äußerst schräg daher, treffend, zeitlos, schauspielerisch so hochwertig, dass es ein Genuss ist. Alles ist ständig in Bewegung, auch die Bühne. Sie ist wie ein klappbares Spielhaus hingestellt, ein Spielzeug, schwarze Striche auf weißen Wänden markieren die Räume und Öffnungen, die Perspektive ist verzerrt, überall öffnen sich überraschend Türen, Schränke, Spiegel.

Ein Spielzeug, das auch das Ensemble animiert. Und das beweist einmal mehr seine schauspielerischen Qualitäten. Es singt die Oper fast nebenbei, kommt daher wie eine fahrende Komödiantentruppe aus dem tiefen Italien, die die Comedia, den Spielwitz zur Passion erhoben hat. So leicht wie der "Barbier" daher kommt, so akribisch ist jede Szene in Spiel umgesetzt, Regisseurin Annette Wolf und Ausstatterin Lena Brexendorff füllen originell jede Ensembleszene, machen aus jeder Arie, jedem Takt ein Ereignis.

So spielt Rainer Zaun als alternder Bartolo mit unglaublicher Mimik und körperlichem Einsatz, kämpft, feixt um seine Rosina. Ebenso schrill, verklemmt die Haushälterin Marcellina, gespielt von Christine Graham oder das stumme Faktotum Ambrosio, gespielt von Pawel Strotschin. Die ewig Gestrigen stecken in Kostümen vergangener Zeiten, die Jungen dagegen kommen modern daher. Kristina Larissa Funkhauser als kokette Rosina, Jeffery Krueger als Graf Almavira. Gesanglich stark sind sie alle. Und natürlich auch er, der Barbier: der Amerikaner Raymond Ayers spielt mit überzeugend frischem Bariton, er ist der Prototyp der jungen Spaßgesellschaft, Sonnenbrille inklusive.

Jede Szene, jede Figur auf der Bühne ist beim Hagener "Barbier" ein Genuss. Also: Jackett und Abendkleid zu Hause lassen, leger kommen, einfach dieses Frühlingsspektakel genießen, diesen Rossini in Hagen!