Blutprobe einer Schwangeren
Gesundheit: Hohes Gut

20.02.2015 - 02:00

Prof. Dr. med. Dr. phil. Klaus Bergdolt "Was ist Gesundheit?"

Der Augenarzt, Historiker und Vorsitzende des Ethik-Konsils der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln Klaus Bergdolt mit Antworten aus Jahrtausenden.

Kaum etwas scheint schwieriger zu sein, als die Beantwortung der Frage, was Gesundheit ist. Aus der Zeit des altägyptischen Königs Ramses IV. (12. Jh. v. Chr.) heißt es bereits: "Du sollst mir Gesundheit geben und ein langes Leben und ein hohes Alter". Lange Zeit hatten Gesundheitsstörungen in der christlichen Theologie vor allem mit menschlicher Schuld zu tun. Im Paradies, vor dem Sündenfall, gab es nach Augustinus keine Kranken und Sterbenden. Bis ins frühe Mittelalter war es umstritten, ob das körperliche Wohlergehen für den Menschen überhaupt wichtig ist. Ist Gesundheit heute, so fragen Soziologen, nicht bloß ein gesellschaftliches Konstrukt, eine Worthülse? Was der Mensch mit seiner Gesundheit anfängt, wie er sie empfindet und wertet, scheint vor allem kulturell bzw. biographisch vorgegeben zu sein. Dennoch blieb die subjektive Erwartungsbreite in Sachen Gesundheit Jahrhunderte lang bemerkenswert konstant: der Wunsch nach Gesundheit, gebunden an Schmerzfreiheit, körperliche und geistige Unabhängigkeit und eine bestimmte Hoffnungsfähigkeit.

Prof. Bergdolt hielt seinen Vortrag im Februar 2015 im Domforum Köln.