Papst Franziskus beim Segen "Urbi et Orbi"
Papst Franziskus beim Segen "Urbi et Orbi"

16.04.2017 - 09:50

Urbi et Orbi Das Gute sagen - allen!

Johannes Paul II. spendete ihn singend, Benedikt XVI. ließ sich von der Orgel begleiten, während Franziskus lieber spricht als singt. Den "Urbi-et-Orbi"-Segen gibt es seit dem 13. Jahrhundert. Doch was hat es damit auf sich?

Der Segen, der stets zum Oster- und Weihnachtsfest vom Papst gespendet wird, endet stets mit der lateinischen Formel:
"Et benedictio Dei omnipotentis: Patris et Filii et Spiritus Sancti descendat super vos et maneat semper. Amen."
Auf deutsch übersetzt heißt das:
"Der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, komme auf euch herab und bleibe bei euch allezeit."
Die Formel "Urbi et Orbi" kommt dabei also gar nicht vor. Sie macht nur deutlich, wem dieser Segen eigentlich gilt. Da es sich grammatikalisch um einen Dativ handelt, lautet die richtige Übersetzung: 'der Stadt und dem Weltkreis'. Als Stadt ist dabei Rom gemeint und die Formulierung in Verbindung mit dem ganzen Weltkreis hat die Katholische Kirche übernommen aus dem Kontext des Römischen Reiches. Damals galt Rom als die Stadt schlechthin und wurde als eine Art Zentrum der Welt verstanden.

Eine Formulierung, die die Kirche vom Römischen Reich übernommen hat

Auch die Katholische Kirche sieht ihr Zentrum in Rom. Und sie betont ihre weltweite Ausrichtung. Doch geht es dabei nicht um einen Herrschaftsanspruch wie beim Römischen Reich, sondern in dem Fall konkret darum, dass der Papst sich mit diesem Segen der Welt zuwenden will. Aber eben auch der Stadt – wie es in der Formulierung "Urbi et Orbi" deutlich wird.

Denn der Papst hat eine doppelte Funktion, er ist nicht nur das Oberhaupt der Katholischen Kirche, das wäre der Weltkreis, sondern er ist gleichzeitig auch der Bischof von Rom. So wie jedes Bistum einen Bischof hat, gibt es auch das Bistum Rom und dessen Bischof ist der Papst.

Gruß in verschiedenen Sprachen war Erfindung Johannes PauIs II.

Heute gehört der Segen "Urbi et Orbi" zum Pflichtprogramm des Katholiken, der dann an Weihnachten und Ostern um 12 Uhr mittags mitteleuropäischer Zeit den Fernseher anstellt. Die bekannten Grußbotschaften in verschiedenen Sprachen gehören übrigens nicht zum eigentlichen Segen. Johannes Paul II. führte diesen Brauch überhaupt erst ein und Papst Franziskus verzichtet nun auch wieder darauf. Übrigens: Auch der erste Segen, den ein neugewählter Papst von der Loggia des Petersdomes aus spendet, ist ein Urbi-et-Orbi-Segen.

Doch was ist jetzt eigentlich das Besondere dieses Segens? Liturgieexperte Alexander Saberschinsky erklärt es mit dem Verweis auf die Wortbedeutung: "Das lateinische Wort für Segen ist 'benedicere' – das heißt übersetzt: 'das Gute sagen'. Und das Gute, das Christen den anderen zusagen wollen, ist die Nähe und das Heil Gottes. Genau das möchte der Papst mit dem Segen 'Urbi et Orbi'. Er möchte der ganzen Welt den Schutz und das Heil Gottes zusagen."

Seit 1967 nutzen die Päpste zum Segen die Medien

Und weil dieser Segen der ganzen Welt gilt, nutzt die Kirche dazu auch die technischen Möglichkeiten. Darum wird der Segen schon seit 1967 über das Radio in alle Welt übertragen, seit 1985 über das Fernsehen und seit 1995 heißt es seitens der Katholischen Kirche, dass dieser Segen sogar über das Internet gültig ist. Doch Saberschinsky stellt klar: "Was hier über die Medien vermittelt wird, ist, dass sich der Papst den Menschen zuwendet, um ihnen etwas positives zuzusagen. Das kann man erfahren mit der Hilfe des Mediums. Aber es geht hier nicht um eine materielle Vorstellung, als ob hier ein Segen sozusagen durch irgendeine Leitung geschickt wird."