Christkönigstatue in Swiebodzin (PL)
Christkönigstatue in Swiebodzin (PL)

20.11.2016 - 09:50

Reich Gottes Gott an die Macht!?

Am heutigen letzten Sonntag des Kirchenjahres wird Christus als König der Welt in den Mittelpunkt gestellt. Es geht um die Verheißung vom "Reich Gottes", von der Jesus immer wieder spricht. Was ist damit gemeint?

Die Botschaft vom Reich Gottes gehört zum Kern der Botschaft des Jesus von Nazareth. 122 mal kommt dieser Begriff im Neuen Testament vor. Das Wort "Reich" klingt dabei verwirrend. Im biblischen Original steht an der Stelle das griechische Wort: basileia. Übersetzt bedeutet das die "Königsherrschaft Gottes". Pfarrer Gerhard Dane verweist auf diese Bedeutung und liefert eine eigene Übersetzung: "Es hat etwas mit einer Art Regierungsform zu tun. Darum ist mein Übersetzungsvorschlag: Reich Gottes heißt Regierung Gottes."

In der Bibel versucht Jesus in Gleichnissen zu erläutern, wie es aussieht, wenn Gott die Regierung übernimmt. Da kommt das Kleine und Unscheinbare zum Großen, wie das Senfkorn, das wächst und zu einem großen Baum wird, der Allen Schatten spendet (Matthäus 13,32). Jesus spricht auch von einer Umkehrung im Reich Gottes: wer jetzt hungert wird dann satt, wer jetzt trauert wird dann froh, wer ausgestoßen ist, wird angenommen.

"Das ist das Ziel der ganzen Evolution"

Manch einer mag hier an eine geplante Revolution denken, aber beim Reich Gottes geht es nicht um politische Macht, nicht um irgendeine Form von Gewalt, sondern um die "Macht der Liebe Gottes, die sein Regierungsprogramm durchsetzen will", wie Pfarrer Dane erklärt.
Sein Regierungsprogramm bedeutet: eine von Gott erfüllte Welt. Denn: Wenn Gott diese Welt geschaffen hat, hat er auch ein Ziel: und das ist das Heil seiner Geschöpfe. Pfarrer Dane nennt es so: "Die Erde soll ein Bereich der Liebe werden, und das ist nicht weniger als das Ziel der ganzen Evolution."

Dass Gott es gut meint mit dem Menschen werde schließlich im Wirken Jesu sichtbar: Sein Weg ist von Heilungen und Wundern geprägt und vom Aufruf: liebt einander, so wie Gott euch liebt. Und darin wird auch erkennbar, dass der Mensch am Aufbau des Reiches Gottes mitwirken kann und mitwirken soll. Dies findet sich auch als zentrale Bitte im Vater-Unser-Gebet, das Jesus selbst seinen Jüngern beibringt: Dein Reich komme.

Das Reich Gottes wächst, auch wenn man denkt: Wo ist Gott?

Dort, wo Gott zur Wirkung kommen darf, wo der Mensch zulässt, dass Gott ihm "seine Energien überträgt, da wächst das Reich Gottes", sagt Pfarrer Dane und verweist auf das Gleichnis vom Wachsen der Saat (Markus 4,26ff):
"Der Mann sät und da steht im Evangelium das griechische Wort: automatike. Also, es wächst bei Tag und bei Nacht von selbst, automatisch. Die Saat wächst, auch wenn man manchmal das Gefühl hat, es geht gar nicht weiter."

Hier werden zwei wesentliche Merkmale des Reiches Gottes deutlich: Der Mensch kann am Aufbau mitwirken, aber nur Gott selbst wird es einmal ganz verwirklichen. Diese Zusage gilt auch dann, wenn statt der Liebe das Leid in der Welt zu regieren scheint und man sich fragen muss: Wo ist denn nun Gott?
Das Reich Gottes ist eine Verheißung, die voll und ganz erst am Ende der Welt erfüllt sein wird und es zu einer Neuschöpfung kommt. An Jesus ist dies schon sichtbar geworden, als er an Ostern von den Toten auferstanden ist.

Spannung zwischen dem "Schon" und dem "Noch-Nicht"

Die Kirche hält an der Vision Jesu vom kommenden Reich Gottes fest und spricht darum von der Spannung zwischen dem "Schon" und dem "Noch-Nicht". Das heißt: Erkennbar wird das Reich Gottes schon da, wo Menschen sich ganz auf diesen Jesus und seine Botschaft einlassen. Pfarrer Dane sagt:
"Diese Gelassenheit, die Jesus uns da vermittelt, ist nicht nur ein Aktionsprogramm nach dem Motto:  'Ärmel hoch, macht das Reich Gottes!' Es ist eher ein staunendes Mitwirken, ein Wahrnehmen dessen, was Gott durch viele Menschen wirkt, auch in unserer Zeit."