Jesus der Retter; Gemälde von V. J. Masip (16. Jh.)
Jesus der Retter; Gemälde von V. J. Masip (16. Jh.)

30.04.2017 - 09:50

Pascha-Mysterium Das Geheimnis des Glaubens

Es ist nicht gerade ein Wort, das zum häufigen Sprachgebrauch in der Kirche gehört. Doch es ist ein Schlüsselbegriff für das Verständnis von dem, was im Gottesdienst eigentlich passiert: Das "Pascha-Mysterium".

"Wenn die Christen vom Pascha-Mysterium sprechen, meinen sie damit die Beziehung, die zwischen Gott und Mensch gestiftet wird, durch Tod und Auferstehung Jesu Christi. Mit anderen Worten: Christen sprechen dann von ihrer Erlösung."

So definiert der Liturgieexperte Alexander Saberschinsky den komplizierten Begriff des "Pascha Mysteriums". Es geht um die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Die Christen glauben, dass Jesus dafür verantwortlich ist: Denn Gott selbst hat Jesus in die Welt gesandt, um zu zeigen, wie Gott ist, wer Gott ist, und um einen Weg zu eröffnen, diesem Gott ganz nah zu kommen.

Es geht um die Beziehung zwischen Gott und Mensch

Doch wie soll man Gott nahe kommen? Das ist auf den ersten Blick nicht unbedingt einsichtig, darum spricht man von einem Geheimnis, einem Mysterium. Der Zusatz: Pascha (ausgesprochen Pas-cha) ist die griechische Form für das hebräische Wort "Pessach", das übersetzt soviel bedeutet wie: "vorüberschreiten". Jedes Jahr feiern die Juden das "Pessach-Fest" - auch das "Fest der ungesäuerten Brote" genannt. Dabei gedenken die Juden ihrer Befreiung aus der Gefangenschaft Ägyptens und des Durchzugs durch das Rote Meer. Saberschinsky nennt dies "die große Heils- und Rettungstat Gottes im Alten Testament", die ist nachzulesen im Buch Exodus. Gott macht in dieser Heilstat den Weg frei in das Gelobte Land. Das Wort Pascha steht hier also für das rettende Handeln Gottes am Menschen. Im Judentum entstand darum das Pascha-MAHL als Festessen, zum Gedächtnis an die erfahrene Rettung.

Pascha: Gott handelt rettend am Menschen

Ein solches Mahl war auch das Letzte Abendmahl, das Jesus am Tag vor seinem Tod mit den Jüngern feierte. Er feierte es zwar als Pascha-Mahl, doch dabei gab er diesem Mahl eine neue Bedeutung, indem er sich und sein eigenes Tun in den Mittelpunkt stellte. Alexander Saberschinsky erklärt dieses entscheidende Handeln Jesu beim Letzten Abendmahl so: "Das, was Jesus als das große Heilsereignis in den Mittelpunkt rückt, ist, dass er sein Leben hingibt. Das spiegelt sich in den Einsetzungsworten im Letzten Abendmahl wider, wenn Jesus Brot und Wein nimmt und darüber sagt: 'Mein Leib für euch, mein Blut für euch.'"

Jesus nimmt bei dem Mahl so seinen bevorstehenden Tod voraus und erklärt ihn als Rettung für die Menschen. Aus was er die Menschen rettet, wird drei Tage später, am Ostertag, deutlich. Die Auferstehung Jesu zeigt dann: er hat den Weg eröffnet zum Ewigen Leben. Eine neue und endgültige Rettungstat Gottes.

Den Schlüssel liefert Jesus beim Letzten Abendmahl

"Die Christen meinen damit die Befreiung aus der Gefangenschaft der Sünde, durch Jesus Christus – wieder ist Gott der Handelnde. Und der Weg führt durch den Tod hindurch, aber ins Ewige Leben, in die Freiheit bei Gott", bringt Liturgieexperte Saberschinsky die Parallelen zum alttestamentlichen Pessach auf den Punkt.

Beim letzten Abendmahl sagt Jesus: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Doch das Mahl soll nicht nur gefeiert werden zur Erinnerung an Jesus, sondern eben auch um an dieser Rettung teil zu haben. Und das ist es, was mit dem Begriff: Pascha-Mysterium aus christlicher Perspektive letztlich gemeint ist. Gott handelt in Jesus am Menschen. Das ist letztlich das Geheimnis des christlichen Glaubens, dass dies, vermittelt durch die Kirche, immer noch geschehen kann, vor allem in den Sakramenten. 

Saberschinsky nennt hierfür diese Beispiele: "Im Besonderen in der Eucharistiefeier aber im Grunde genommen in jeder Sakramentenfeier. Denn das ist das besondere an den Sakramenten, dass hier uns Jesus begegnen möchte in der jeweils konkreten Lebenssituation. Am Anfang in der Taufe, oder z.B. wenn ich sage, ich möchte meinen Weg als Christ zusammen mit einem anderen Menschen gehen, wie in der Trauung. Oder auch in Zeiten der schweren Krankheit: dann möchte Jesus mir begegnen im Sakrament der Krankensalbung. Die Beispiele ließen sich vermehren. Immer geht es darum, dass Christus mir begegnen möchte, dass er an mir handeln möchte, indem er mich stärkt auf meinem Weg hin zu Gott."