Der Engel des Herrn bringt Maria die Botschaft
Der Engel des Herrn bringt Maria die Botschaft

22.12.2019 - 09:40

Kirche2Go: Wenn Gott ruft Liebe kommt immer leise

Die biblische Erzählung, wie der Engel Maria die unglaubliche Botschaft bringt, ist im Advent in aller Munde. Wie kann man sich so etwas eigentlich konkret vorstellen: Eine Botschaft, die von Gott an den Menschen ergeht?

In einem alten Weihnachtslied aus Lothringen heißt es: "Still, still, still, wer Gott erkennen will." Man könnte sagen: In diesem Text liegt ein tiefer - biblischer - Erfahrungsschatz. Nicht mit Pauken und Trompeten, nicht offensichtlich oder unüberhörbar tritt Gott ins Leben der Menschen. Das, was in der Kunst oft mit hellem Lichtschein oder pompösen Erscheinungen von Engeln dargestellt wird, liest sich bei genauer Betrachtung der Bibel ganz anders. Bei der Verkündigung an Maria erscheint der Engel im Stillen Kämmerlein und hinterlässt die Botschaft, sie werde ein Kind vom Heiligen Geist empfangen. Und diese Botschaft löst vor allem eines aus: Ratlosigkeit. Maria erste Reaktion ist die Gegenfrage: "Wie soll das geschehen?" (Lukas 1,34)

Gottes Botschaften lösen keine Jubelstürme aus

Eine typische Reaktion, die man in der Heiligen Schrift immer wieder finden kann. Botschaften von Gott lösen keine Jubelstürme aus, weil sie oft auch mit unangenehmen Konsequenzen verbunden sind. Man wird herausgerufen, fortgeschickt, oder mit einer schweren Aufgabe betraut, und vor allem bleibt oft eines zurück: der Zweifel und der Einwand gegen den Ruf. Mose verweist am Brennenden Dornbusch auf die eigene Unfähigkeit, Jona läuft weg, Jeremia bringt den Einwand er sei noch zu jung.

Nach Marias erster Unsicherheit vertraut sie jedoch und glaubt der eigentlich doch  un-glaublichen Botschaft. Eine für das wirkliche Erkennen von Gottes Wirken unerlässliche Tugend. In der christlichen Tradition wird diese Tugend  mit einem heutzutage schon fast negativ anmutenden Wort benannt: Gehorsam. Wie wesentlich diese Tugend des Gehorsams für die Gottes-erfahrung ist, erklärt die christliche Schriftstellerin Andrea Schwarz so:
"Gehorsam, das Wort kommt vom Hören, vom Hören auf das, was Gott mir sagt, was er von mir will. Es bedeutet, mich in ein Größeres Ganzes mit hineinzustellen. Mein Leben nicht nur nach egoistischen Gesichtspunkten auszurichten, sondern es zu gestalten und es damit zugleich auch gestalten zu lassen! Gelegentlich kann dies auch Machtlosigkeit bedeuten und das Aushalten von Ohnmacht. Und das ist nicht immer leicht. Gehorsam zu sein in einem christlichen Sinne bedeutet, dem Wort Gottes verpflichtet zu sein. Der Botschaft des Gottes, der das Leben will."

Gehorsam bedeutet: Ohnmacht aushalten

Diese Botschaft kann also auch unbequem sein, weil sie oft nicht den naheliegenden, einfachen und erfolgsversprechenden Weg beschreibt. Und weil sie in die Isolation führen kann. Und doch zeigen die Beispiele aus der Bibel und von vielen christlichen Zeugnissen, dass man aus der erfahrenen Gottesbegegnung heraus manchmal nicht mehr anders kann, als diesen Weg zu gehen. Wie der Österreicher Franz Jägerstätter. "Ich muss tun, was ich tun muss" sagte er, als er 1943 den Kriegsdienst verweigerte. Der gläubige Katholik vertraute einem Traum, der ihm die Schrecken des Nationalsozialismus vor Augen führte. Von den Nazis verurteilt und von der Gesellschaft isoliert wurde Jägerstätter kurz darauf hingerichtet.  

Wer Gottes Stimme wahrnimmt und ihr folgen will, muss einem größeren Zusammenhang vertrauen. Und der ist nicht immer direkt einsichtig und gibt keine Sicherheiten. Auch hier lohnt der Blick auf Maria. Die Geburt Jesu hat sie sich sicher anders vorgestellt und einen besseren Platz für das göttliche Kind erwartet als die Futterkrippe. Der Evangelist schreibt: "Maria bewahrte alles, was geschehen war in ihrem Herzen, und dachte darüber nach." (Lukas 2,19)

Alle Sinne aufschließen – und das Herz!

Das Erkennen Gottes geschieht auf der tieferen Ebene, durch das Hören auf die innere Stimme, den Traum oder die überraschende, aufrüttelnde Botschaft und darin, dass man dieser Erkenntnis folgt.

Der christliche Liedermacher Jürgen Werth hat das Eintreten Gottes in das Leben eines Menschen einmal so beschrieben: "Manchmal musst du hinschauen. Sonst siehst du nichts. Manchmal musst du lauschen. Sonst hörst du nichts. Die grellen Bilder, die schrillen Töne liegen mir nicht. Ich komme leise. Liebe kommt immer leise. Schließ alle Sinne auf! Schließ dein Herz auf! Dann bin Ich da. Und bleibe."