Jesus reitet auf einem Esel in Jerusalem ein
Palmsonntag: Jesus reitet auf einem Esel in Jerusalem ein

05.04.2020 - 09:40

Kirche2Go: Hosianna! Prekärer Jubelruf

Hosianna! So begrüßte die Volksmenge an Palmsonntag den in Jerusalem einziehenden Jesus von Nazareth. Ein Hilferuf aus jüdischer Tradition wurde hier zum Jubelruf – und heizte damit die Stimmung gefährlich auf.

"Als die Volksmenge hörte, dass Jesus nach Jerusalem komme, nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen und riefen: Hosianna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, Hosianna in der Höhe!"

Mit diesen Worten berichtet das Johannesevangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem. "Hosianna" oder "Hosanna" ist dabei ein Ruf, den jeder, der schon einmal in einer katholischen Heiligen Messe zugegen war, gesungen hat - im Sanctus, dem Lobgesang zu Beginn des Hochgebets. "Hosanna in der Höhe" heißt es da, genau so, wie die Volksmenge in Jerusalem. Übersetzt bedeutet das hebräische Original-Wort "Hoschianna" soviel wie: "Hilf doch!"

Juden riefen "Hosianna" auf Wallfahrten

Ein Hilferuf der fest im Judentum verankert ist. Er stammt aus dem Psalm 118 – verfasst schon um das Jahr 400 vor Christus. Dieses Gebet wurde immer bei der jüdischen Wallfahrt gesungen, zum Einzug in den Tempel. Übersetzt bedeutet dieser Psalmruf:
Ach, Herr, bring doch Hilfe! Ach, Herr, gib doch Gelingen!
Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. (Psalm 118,25)

Prekär an der ganzen Sache ist: In diesem Gebet wird der von Gott gesandte Messias besungen, er, der kommen wird im Namen des Herrn. D.h. wenn die Volksmenge den in Jerusalem einziehenden Jesus auf diese Weise begrüßt, setzen sie ihn mit dem in Israel damals so heiß erwarteten Heilsbringer gleich – was die Pharisäer und Schriftgelehrten auf den Plan rufen musste. Denn dieser Ruf gebührte dem Messias, den konnte die Vielzahl der Schriftgelehrten in dem einfachen Zimmermann aus Nazareth nicht erkennen.

"Hosianna" für Jesus war den Pharisäern ein Ärgernis

An jenem Palmsonntag in Jerusalem war der ursprüngliche Hilferuf des Psalms zum Jubelruf geworden. Aus der Hoffnung war die Gewissheit geworden. Eine Gewissheit, die jedoch schnell in Ärger umschlug, denn nur wenige Tage später wurde der besungene Heilsbringer Jesus bekanntlich ans Kreuz geschlagen. Statt "Hosianna" rief das Volk auf einmal "Kreuzige ihn".

Der katholische Pfarrer Gerhard Dane meint, dahinter stecke eine Erfahrung in der Haltung zu Gott, die vielleicht viele Gläubige so schon kennengelernt haben: "Es gibt Tage, da rufe ich voll Begeisterung 'Hosianna', weil ich seine Hilfe erfahren habe, und es gibt Tage, da werde ich zwar nicht unbedingt 'Kreuzige ihn' rufen, aber ich werde mich selbst wie gekreuzigt fühlen: Enttäuscht von ihm, der machtlos am Kreuz hängt, und von dem mir nur die Macht der Liebe entgegenkommt. Aber gerade diese Macht ist die wichtigste."