Was habe ich gemacht?
Was habe ich gemacht?

13.08.2017 - 08:00

Kirche2Go: Die Todsünde Kein Kavaliersdelikt

Der Begriff Todsünde klingt unbehaglich. Da kommt dem schon belasteten Wort "Sünde" eine besondere Schwere zu. Die Kirche spricht bei manchen Verfehlungen von der Tod-Sünde, weil dabei etwas abzusterben droht.

So erklärt Pfarrer Gerhard Dane die Todsünde und meint, die Verbindung mit Gott, die absterben kann. Man kann das Wort "sündigen" vom deutschen Wort sondern/absondern ableiten. "Todsünde bedeutet dann: jetzt ist wirklich Ende," sagt Pfarrer Dane und beschreibt die Haltung hinter der Todsünde so: "Hier habe ich mich zu Gott gemacht und gesagt: 'Du interessierst mich überhaupt nicht mit deinen Vorstellungen vom Leben. Ich bestimme das!'"

Mord, Ehebruch und Glaubensabfall

Aber welche Art von Verfehlung könnte dann konkret als Todsünde bezeichnet werden? In Verbindung mit einem Jesus-Wort aus dem Neuen Testament werden als klassische Beispiele genannt: Mord, Ehebruch und der bewusst gewählte Abfall vom Glauben. Immer geht es bei der Todsünde um die Absicht zur Tat und das Wissen um die Verfehlung. Darum nennt die Tradition der Kirche drei Bedingungen, die alle zugleich erfüllt sein müssen, damit eine Sünde zur Todsünde wird, die Pfarrer Gerhard Dane so zusammenfasst:

 "Erstens: es muss sich um eine wichtige Sache handeln, nicht um irgendetwas weniger Wichtiges. Es muss sich handeln um klare Einsicht, also ich weiß, was ich da jetzt schlimmes tue, will es aber trotzdem. Und drittens: Die freie Entscheidung. Ich habe also nicht aus Versehen dazu entschlossen sondern ganz bewusst. Wichtige Sache – klare Einsicht – freie Entscheidung."

Drei Bedingungen machen den Unterschied

Oft ist in diesem Zusammenhang von den sieben Todsünden die Rede, die schon Hollywood verfilmte: Stolz, Neid, Zorn, Trägheit, Geiz, Wolllust und Völlerei. Diese Aufzählung geht auf Gregor den Großen (540-604) zurück und genau genommen geht es hier nicht um die Todsünden, die aktiv begangen werden, sondern eher um Laster oder sogenannte Wurzelsünden. Es handelt sich eher um Haltungen, die Ursprung schwerer Sünden werden könnten.

Todsünden sind für Pfarrer Gerhard Dane stets von langer Hand gewachsen und haben darum auch eine Vorgeschichte. "Es fängt an mit Immer-weniger- gehemmt-Sein, man lässt immer lockerer. Und schließlich ist man dann da, wo die Todsünde geschieht."

"Wie konnte das nur passieren?"

Doch was tun, wenn sie geschehen ist? Die Todsünde heißt ja deshalb so, weil sie die lebenspendende Beziehung zu Gott zerstört. Der Glaube an Jesus Christus eröffnet hier einen Weg. Er ist gekommen, um die Menschen mit Gott zu versöhnen. Der heilige Paulus fasst es so zusammen: "Wo die Sünde mächtig wurde, ist die Gnade übergroß geworden" (Römerbrief 5,20). Vergebung ist möglich. Auch bei der Todsünde. Da sie bewusst begangen werden musste um überhaupt Todsünde sein zu können, muss sie auch bewusst bereut werden, meint Pfarrer Dane: "Wenn du so richtig unten hängst, dir die Haare raufst und zu dir sagst: 'Wie konnte mir das passieren? Ich verstehe mich nicht mehr', dann ist auch über dieser Entscheidung noch der Himmel offen. Da ist die Liebe Gottes nicht gekündigt und wir dürfen in solchen Augenblicken das Vertrauen nicht verlieren."

Für diesen Fall bietet die Kirche die Beichte an. Denn der Reue kann so Ausdruck verliehen werden. Pfarrer Gerhard Dane hat als Priester oft das Beichtsakrament gespendet. Er sagt, das ehrliche Bekennen der Schuld kann nicht im Geheimen funktioniert. Das konkrete Aussprechen ist notwendig. Er findet es wichtig, dass einem schuldbewussten Menschen durch den Priester im Namen Gottes die Vergebung zugesprochen wird. "Viele Leute werden sich ihre wirklich schweren Verfehlungen selber nie verzeihen können. 'Ich kann mir das nicht verzeihen, sagen die Leute.' Dann sag ich: 'Ja, dann hör mal zu: Da gibt’s aber jemand der sagt, du, das ist jetzt erledigt. Wem glaubst du mehr? Gott oder deinem Gefühl?'"