01.05.2019 - 09:40

Kirche2Go: Berufung Gottes wunderbares Angebot

Die Kirche feiert heute den Heilgen Josef, der von Gott die Berufung erhalten hatte, Ziehvater Jesu zu sein. Was heißt es im kirchlichen Sinn, berufen zu sein?

Jeder Mensch hat eine Berufung von Gott. Das kommt aus der Überzeugung, dass jedes Menschenleben von Gott gewollt und persönlich angesprochen ist. Die Überzeugung dahinter: Gott will in eine Beziehung treten zu jedem einzelnen Menschen und hat einen Plan mit ihm. Mit diesem Plan wird der Mensch von Gott angerufen. Pfarrer Gerhard Dane empfiehlt dabei, auf die Individualität der eigenen Begabung zu schauen. Seinen Gemeindemitgliedern sagt er gerne: "Guck doch mal, was du besonders gut kannst, was dir besonders viel Freude macht." Schließlich ginge es darum, die eigenen besonderen Begabungen dem Plan Gottes anvertrauen. Gott wolle mit der Berufung die Einmaligkeit jedes Einzelnen unterstützen und den Menschen so zur Hochform auflaufen lassen.

"Guck doch mal, was du besonders gut kannst"

Die einmalige Begabung und das spezielle Charisma zur Verfügung zu stellen für die Allgemeinheit könnte so gesehen eine Antwort auf die Berufung sein, die von Gott an jeden Menschen ergeht. Denn auf diese Weise schenkt der Berufene das zurück, was er von Gott ja empfangen hat. Bis hierhin kann wohl jeder Mensch gut mitgehen und eine Berufung Gottes akzeptieren. Doch die Kirche nennt ja bekanntlich noch weitere Form der Berufung. Die geistliche Berufung.

In dieser Art der Berufung geht es um die Bindung an Gott. Der Anruf Gottes wird hier nicht unbedingt in erster Linie in der eigenen Begabung erkannt, sondern unmittelbarer. Pfarrer Dane, der dieser Art der Berufung in seinem Leben gefolgt ist, beschreibt das so:

"Es war ein inneres Hingezogen-Fühlen. Der Geist Gottes – oder vielleicht besser gesagt – die Energie Gottes, die Hauchung, die von ihm ausströmt, ist bei dieser Berufung im Spiel." Und im gleichen Atemzug betont der katholische Priester, "dass wir das nicht zu überirdisch ansetzen. Es ist ein Vorgang, in dem Gottes Geist mitwirkt, aber das kann auf dem Boden unserer Tatsachen passieren."

Die geistliche Berufung geschieht auf dem Boden der Tatsachen

Auf dem Boden der Tatsachen, das heißt, man muss nicht auf den sprichwörtlichen Engel warten, so wie es in der Bibel schon mal vorkommt. Aber die Faszination, das innere Berührt sein, wie es der Pfarrer berichtet, bezieht sich in der geistlichen Berufung konkret auf Jesus Christus – auf seine Person, sein Leben, seine Botschaft. Diese Faszination kann dabei so stark sein, dass der Wunsch entsteht, diesem Jesus nachfolgen zu wollen.

Deshalb sind die Bibelerzählungen, die davon berichten, wie Jesus Menschen beruft immer mit einer konkreten Sendung verbunden. Mit dem Auftrag, mit Jesus unterwegs zu sein, in seinem Namen zu wirken und seine Botschaft weiter zu tragen. Wer diesen Wunsch verspürt könnte eine geistliche Berufung haben. Pfarrer Dane nennt drei Fragen, die dabei zu klären sind:

Drei Fragen sind bei geistlicher Berufung zu klären

"Erstens: Kann ich das? Zweitens: Will ich das? Und drittens: Will die Kirche das auch? Wer aus Liebe zu Jesus und seinem Evangelium und aus Liebe zu den Menschen Priester, Diakon oder Ordensmensch werden will, der hat die richtigen Motive, auch wenn er dabei nicht gerade 'superheilig' ist."

Pfarrer Dane nennt dabei die drei klassischen Varianten, in die eine geistliche Berufung in der Kirche aufgehen kann: Priester, Diakon und Ordensmänner- und frauen. Das besondere dieser Varianten: hier gibt man das Versprechen ab, nach den so genannten Evangelischen Räten zu leben. In Armut, ehelos und gehorsam. Nach dem Zeugnis der Evangelien in der Bibel lebte Jesus selbst so. Wer also auf diese Weise wie Jesus leben kann und will, folgt damit im engsten Sinne einer geistlichen Berufung. Darüberhinaus hat aber auch jeder Christ durch die Taufe die in einem weiteren Sinn geistliche Berufung, Gott in seinem Leben immer wieder neu zu suchen, mit ihm mitzuwirken und den Glauben weiter zu tragen.

Bei alledem gilt aber auch immer das, was die Kirche als allgemeine Berufung bezeichnet – ein Leben der Vollkommenheit zu führen. Und das heißt eben nicht nur, gut zu sein, sondern die von Gott geschenkten Begabungen einzusetzen. Denn nach christlicher Überzeugung bedeutet ein gelungenes Leben, sich selbst zu verschenken. So folgt man immer seiner Berufung. Pfarrer Dane ist überzeugt, dass jeder Mensch eine "Originalausgabe" sei: "Das Finden der Berufung, die Gott sich für mich ausgedacht hat, ist manchmal sehr anstrengend aber eigentlich ein wunderbares Angebot."

Moderation: Martin Korden
(DR)

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